Viel ist über Buenos Aires bekannt: Es gilt als das Paris Südamerikas, hat mit Boca Juniors und River Plate zwei große Fußballclubs und ist berühmt für die hervorragenden Steaks in den zahlreichen Grillrestaurants (Parillas). Was viele nicht wissen ist, dass es in der Stadt übermäßig viele Hunde gibt. Auch wenn es so manchen Argentiniern nicht bewusst ist, Hunde und ihre Hinterlassenschaften sind im Stadtbild so omnipräsent wie die bunten Busse (Colectivos), die sich Stoßstange an Stoßstange am Straßenrand aneinanderreihen. 

Hundepfoten verewigt im Asphalt

Hundepfoten verewigt im Asphalt

Schätzungen zufolge gibt es in der Hauptstadt Argentiniens 600.000 Familienhunde, 60.000 Wach- und Schutzhunde und ca. 150.000 Straßenhunde. Da berufstätige Herrchen und Frauchen ihre Tiere nicht immer selbst Gassi führen können, haben sich die „paseaperros“ als Berufsgruppe fest etabliert (von „pasear“ = herumspazieren und „perro“ = Hund). Obwohl eigentlich nur acht Hunde pro Hundesitter erlaubt sind, sieht man auf dem morgendlichen Weg zur U-Bahn (Subte) manches Mal paseaperros mit zehn, zwölf Tieren.

Eine Kolonne "pasaeperros" beim Morgenspaziergang

Eine Kolonne „pasaeperros“ beim Morgenspaziergang

Wenig Grün und viele Hunde

Wenig Grün und viele Hunde

Pasaeperro mit Hunden - hinter ihm verbergen sich noch 5 kleine Hunde

Pasaeperro mit Hunden – hinter ihm verbergen sich noch 5 kleine Hunde

Eine Lieblingsrasse scheint der Argentinier nicht zu haben, denn auf den Gehwegen und in den Parks erstreckt sich eine für den Hundeliebhaber herrliche Vielfalt: Der chinesische Faltenhund ist ebenso vertreten wie der der klassisch schwarz-weiße Border Collie. Die deutsche Dogge spielt in den umzäunten Hundefreilaufzonen der Parks von Palermo mit Mops, Schäferhund und dem dingo-ähnlichen Straßenhund. Wenn es vielleicht eine Rasse gibt, die man besonders häufig im Straßenbild sieht, sind es unterschiedliche Spielarten des Pudels.

Dame mit Hund - beide wohlgekleidet

Dame mit Hund – beide wohlgekleidet

Hund und Herrchen

Hund und Herrchen

Hipster mit Dackeln im Park von Buenos Aires

Hipster mit Dackeln im Park von Buenos Aires

Modisch verpackt

Modisch verpackt

Der Enthusiasmus beim Gassigehen ist sehr unterschiedlich ausgeprägt.

Der Enthusiasmus beim Gassigehen ist sehr unterschiedlich ausgeprägt.

Wo so viele Hunde sind, entsteht natürlich auch ein entsprechendes Angebot für hundekompatiblen Konsum. Alles für den kleinen Liebling gibt es zum Beispiel bei „amores perros“. Im Hunde-Wasch- und Frisiersalon wird dem kleinen Malteser das Fell gestutzt und im vierstöckigen Hundewarenladen gibt es alles, was Hund und Herrchen glücklich macht. An kalten Oktobertagen bekommen Hunde hier kleine Mäntelchen angezogen. Im Hafenviertel La Boca tragen sie sogar Jeans und Trikots, darauf dressiert, den Touristen mit kleinen Tricks das Geld aus der Tasche zu locken.

beim Hundefrisör

beim Hundefrisör

Auch in zahlreichen Redewendungen hat sich das Lieblingshaustier des Argentiniers breitgemacht. Einige davon kennen wir, manchmal in ähnlicher Form, auch im Deutschen, z.B. „perro que ladra, no morde“ (Hunde, die bellen, beißen nicht); „cuanto mas conozco a los hombres, mas quiero a mi perro“ (je besser ich die Menschen kennen, desto mehr mag ich meinen Hund) oder auch „a otro perro con ese hueso“ (wörtlich „gib einem anderen Hund diesen Knochen“, sprichwörtlich kennen wir es als „das kannst du deiner Großmutter erzählen“).

Aber nicht nur im Leben sind die Hunde treu an der Seite ihrer Herren. Wie wir bei einem Besuch auf dem beeindruckenden Stadtfriedhof von Recoleta feststellen konnten, begleiten sie ihre Besitzer auch ins Grab bzw. in die Mausoleen. Dort thront ihr Foto immerfort neben dem ihres Besitzers.

Argos - auch im Tod noch an der Seite der Familie

Argos – auch im Tod noch an der Seite der Familie