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El Arbol – der lebende Geldautomat

Drei Wochen in Argentinien – und wir waren kein einziges Mal an einem Geldautomaten. Jedenfalls an keinem herkömmlichen, sondern nur bei lebenden Geldautomaten. Die stehen in bestimmten Straßen und raunen einem ständig die Worte „Cambio, Cambio, Cambio“ zu. Sie bieten für 1 Euro rund 17 argentinische Pesos, auf der Bank oder am „normalen“ Geldautomaten gibt es für 1 Euro nur 10 Pesos. 70 Prozent mehr bieten also die Schwarzmarkthändler. Logischerweise nur cash, gegen Euro-Banknoten. Je mehr Euros gewechselt werden, desto besser der Kurs. 

Natürlich ist das illegal, trotzdem ist es „no big deal“. Das Prozedere läuft unterschiedlich ab: In Buenos Aires lungern die „lebenden Geldautomaten“, die von den Einheimischen „arboles“ (Bäume) genannt werden, weil sie nur rumstehen, in der „Florida“-Straße, ganz in der Nähe des Amtssitzes von Präsidentin Christina Kirchner (am Wochenende finden übrigens Präsidentschaftswahlen statt). Alle paar Meter: „Cambio, Cambio, Cambio“. Einigt man sich auf einen Kurs, folgt man dem „Baum“ – beispielsweise in das Hinterzimmer eines Restaurants oder in einen unscheinbar wirkenden Zeitschriftenkiosk, wo sich hinter all den bunten Titelblättern eine telefonzellengroße Wechselstube versteckt.

Aufpassen: Argentinisches Falschgeld ist gut gemacht, selbst Wasserzeichen und Silberstreifen sehen täuschend echt aus.

In anderen Städten erlebten wir die „arboles“ wesentlich unvorsichtiger: Sie zogen auf offener Straße ihre dicken Bargeldbündel aus der Tasche und wechselten für jeden sichtbar.

Der florierende Schwarzmarkt hat mehrere Gründe: Die hohe Inflation, die auf 40 Prozent im vergangenen Jahr geschätzt wird und die eingeführten Devisenkontrollen. Argentinier können de facto gar nicht an US-Dollar oder Euro-Noten kommen. Wer verreisen oder ein Haus kaufen möchte, ist aber auf Devisen angewiesen.

Umgekehrt heißt das aber auch: Für Argentinien-Reisende, die nicht schwarz (wobei der Schwarzmarkt hier „blue market“ genannt wird) tauschen können oder wollen, ist das Land sehr teuer. Eine 2l-Flasche Wasser kostet dann umgerechnet rund 3 Euro. Auf einem Busbahnhof in Salta trafen wir ein Pärchen aus Österreich und Frankreich, das den blue market nicht kannte und ohne Euro ins Land eingereist war. Nach zwei sündhaft teuren Wochen änderten die beiden ihre Route: „Wir flüchten jetzt nach Bolivien und hoffen, dass das Leben dort günstiger ist. Wir sind geschockt von den Preisen in Argentinien.“

 

Lesetipp

Aktuelle Infos zum Thema „Geld wechseln in Buenos Aires“ findet ihr bei der deutschen Auswanderin Simone, die auf ihrem Blog Argentinien 24/7 über ihr Leben in der Ferne schreibt.

6 Kommentare zu “El Arbol – der lebende Geldautomat

  1. sabine aus Trier

    Hi Ihr Weltenbummler,

    die Story erinnert mich doch stark an mein Tauscherlebnis in Budapest…dort sind wir im Rahmen einer Pressereise in den Markthalle einem Betrüger aufgesessen, der uns für 50 Euro statt der ungarischen ein Bündel wertloser GUS-Scheine abgedreht hat…gut, dass Ihr so super informiert ward. Weiterhin eine schöne Zeit, passt auf Euch auf und versorgt die Heimat mit hilfreichen Tipps aus der Ferne!

  2. Dominik Autor des Beitrags

    Die argentinischen Noten kann man auch ertasten: Die Haare von Evita haben eine Kontur, die noch nicht gefälscht werden kann. Bei anderen Noten ist es der Bart des abgebildeten Mann (weiß nicht, wer das ist), den man ertasten kann.

    1. Simone Academia Buenos Aires

      Julio A. Roca, u.a. war er Präsident in den 1880er Jahren. Und es ist die Schulter – habt ihr etwa beim introduction talk an eurem ersten Schultag nicht aufgepasst? 😉
      LG aus Bs.As.

  3. Bianca

    Hallo ihr Lieben. Da ich leider kein Jahr Auszeit nehmen kann hätte ich eine Frage, was habt ihr denn an Kosten für Südamerika, Mittelamerika, Afrika und USA gehabt?

    6 Monate wären für mich drin und eure Auswahl gefällt mir gut. DA ihr sicherlich auch Budgetberechnung gemach habt viell köönnt ihr mir hierzu helfen?

    LG

    1. Claudia

      Hallo Bianca,
      ja, wir haben mit der App Trail Wallet unser Budget erfasst. Folgende Tageskosten hatten wir dabei pro Person, Land und Tag, wobei man dazu sagen muss, dass wir immer Doppelzimmer hatten, recht viel Geld fürs Tauchen ausgegeben haben und uns auch mal einen Flug gegönnt haben, anstatt den günstigeren Bus zu nehmen:
      – Bolivien: 32 Euro
      – Peru: 43 Euro
      – Ecuador (inkl. Gapapagos): 68 Euro
      – Costa Rica: 76 Euro
      – Guatemala: 54 Euro
      – Belize: 60 Euro
      – Mexiko: 58 Euro
      – Kuba: 45 Euro
      – L.A. & Hawaii: 100 Euro
      – Äthiopien: 55 Euro
      – Tansania (inkl. Safari): 115 Euro

      Es waren also Länder mit sehr unterschiedlichen Kosten dabei. Die Tauchsafari auf Galapagos habe ich jetzt mal rausgerechnet und Länder, in denen wir weniger als eine Woche waren, weggelassen.

      Wenn du noch Fragen hast, meld dich gern. Am besten per Mail an kontakt (at) weltreize.com

      Herzliche Grüße aus Kolumbien
      Claudia

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