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Rückkehr nach Havanna: Explosion beim Mittagessen

Am Ende unserer Kuba-Reise kehren wir nochmal nach Havanna zurück. Was haben wir uns darauf gefreut. Doch irgendwie ist alles ein wenig anders, nach zwei Wochen durch das Land, in Trinidad, Cienfuegos, der Schweinebucht und dem kühlen Norden

Ganz so romantisch wie beim ersten Mal wirkt die Stadt nicht mehr. Immer noch außergewöhnlich, aber nicht mehr so herzlich. Jetzt fällt auch mehr der Dreck auf, der Lärm. Man schaut rückblickend ja gerne etwas (zu) verklärt auf Dinge, die man auf Anhieb schön empfand.

Schöner als beim ersten Mal ist ganz sicher unsere neue Casa, die wir per Zufall finden: Eine Frau spricht uns auf der Straße an, als wir verschiedene Casas abklappern. Eine Bekannte von ihr vermietet Zimmer. Die ganze Wohnung ist modern eingerichtet. Die Dame des Hauses (vom Beauty-Doc aufgehübscht) gefällt sich selbst ganz gut: Eine große Zeichnung von ihr hängt im Wohnzimmer, das mit großen Flachbildschirm, geräumiger Sitzgarnitur und sogar Billardtisch ausgestattet ist. Unserer Bad hat sogar ein Bidet – und die Dusche ein eingebautes Radio.

Wir schlendern diesmal durch „China Town“, in dem es – den zweisprachigen Straßenschildern zum Trotz – so gut wie keine Chinesen gibt. Vor der Revolution gab es eine nicht unerhebliche Zahl Chinesen im Barrio Chino, von bis zu 250.000 Chinesen ist die Rede, aber nach den Enteignungen im Zuge der Revolution kehrten die Namensgeber Chinatown, wenn nicht gleich Kuba, den Rücken.

Ein paar Straßen weiter hat sich in den vergangenen zwei Wochen einiges getan: Das Capitolio Nacional ist nicht mehr von einem hohen Bauzaun umgeben und erstrahlt in neuem Glanz, auch wenn es noch nicht fertig renoviert ist. Der Prachtbau ist dem Capitol in Washington DC nachempfunden, es ist nur etwas größer und detailreicher. 1926 wurde der Bau mit Unterstützung der USA begonnen. Die Straße vor dem Gebäude, die vor zwei Wochen noch eine Hauptverkehrsader war, ist diesmal komplett gesperrt und aufgerissen. Der Verkehr wird weiträumig umgeleitet. Typisch für die Altstadt, wo es keine Ecke gibt, in der nicht gebaut wird.

Die abenteuerliche Taxifahrt von Viñales nach Havanna hat natürlich zusammen geschweißt. Und so verabreden wir uns mit Nicole gleich für den Abend. Zusammen mit zwei Polen, die Nicole auf ihrer Reise kennengelernt hat, wollen wir im Los Nardos essen. Das sei gut und günstig, immer voll besetzt, mit Schlange vor der Tür. Wir sind schon um 17 Uhr da, um dem Ansturm am Abend zuvorzukommen. Der Türsteher am Eingang schickt uns die Treppe hoch, wir bekommen gleich einen Tisch und die Jungs treffen wenige Minuten später ein. Das Essen ist auch gut, die Portionen üppig, alles super.

Die Überraschung: Als Claudia zur Toilette geht, merkt sie, dass wir gar nicht im Los Nardos gelandet sind, sondern im El Trofeo, eine Etage höher. Beide Restaurants gehören zusammen, das Essen kommt aus der selben Küche. Das Los Nardos ist jedoch etwas teurer, dafür vornehmer als das El Trofeo. Keinem von uns war das aufgefallen.

Danach gehen wir noch auf ein paar Mojitos ins Sia Kara. Kaum sitzen wir, verwandelt sich die Bar: Drei Jungs fangen an zu musizieren. Einer spielt Violine, einer Klavier, der Dritte gibt auf einer Handtrommel den Takt vor.

Die Bar Sia Kara.

Die Bar Sia Kara.

Havanna Return Bar - 2

Spontan wird in der Bar getanzt – und als Europäer müssen wir neidlos anerkennen: Die Kubaner haben den Rhythmus einfach im Blut.

Claudia hatte ja schon in Tulum (Mexiko) die Erfahrung gemacht, wie es ist, wenn einem tausende Kilometer von Zuhause entfernt zufällig eine Arbeitskollegin über’n Weg läuft. Mir passiert es am vorletzten Kuba-Tag: Wir besuchen mit Nicole das Revolutions-Museum, haben gerade die Eintrittskarten gekauft – da… Die kenn’ ich doch, oder täusch’ ich mich? Ihr ging’s genauso: Ines, NDR-Kollegin aus Hamburg, die mit ihrem Verlobten David in Kuba urlaubt und noch am selben Tag zurück nach Deutschland fliegen wird.

Zufällig getroffen: NDR-Kollegin Ines

Zufällig getroffen: NDR-Kollegin Ines

„Ich dachte, Du wärst auf Weltreise“, sagt sie noch – so baff erstaunt ist auch sie. Die Welt ist tatsächlich manchmal ein Dorf. Wir vergessen fast den Museumsbesuch, vor lauter „Gibt’s doch gar nicht“, „Was macht Ihr denn hier?“, „Wo wart Ihr schon?“ und „Wie hat’s Euch gefallen?“. 

Zu fünft essen wir später am Plazuela del Ángel zu Mittag. Plötzlich werden wir durch einen lauten Knall aufgeschreckt, machen uns jedoch keinen größeren Kopf drum. Erst als wenig später die Feuerwehr anrückt und sich immer mehr Menschen wenige Meter von unserem Tisch entfernt versammeln und die Straße hinunter blicken, werden auch wir neugierig: Der laute Knall kam von einem Gullideckel, der in die Luft geflogen ist. Er liegt jetzt ein paar Meter weiter. Aus dem Loch kommt eine hohe Stichflamme. Offenbar ein Gasleck. Immer wieder rumort es unter der Erde. Dann ist die Flamme nicht mehr zu sehen, kurz darauf brodelt es dann wieder und – zack – schießt die Flamme empor. Die Feuerwehr beobachtet das ganze aus der Distanz – Löschen zwecklos – und sperrt den Brandherd ab. Irgendwann hat die Szenerie für uns den Reiz verloren und wir ziehen weiter – ohne zu wissen, was jetzt mit dem Gasleck passieren wird.

Ines und David machen sich auf den Weg zum Flughafen. Zusammen mit Nicole ziehen wir noch durch die Altstadt. Hier versucht jeder, den Touristen ein paar CUC aus der Tasche zu leiern: Der Künstler, der ein Model malt und unverhohlen für ein Foto 1 CUC verlangt; der Mann, der seinem Hund Sonnenbrille und Kuba-Hütchen aufgesetzt hat oder die Frau, die ihre selbstgenähten Che-Guevara-Mützen anpreist. 

Am letzten Morgen in Havanna suchen wir noch ein Restaurant auf, das uns von mehreren Seiten als eine Art Geheimtipp empfohlen wurde, zu dem wir es aber aus verschiedenen Gründen nicht geschafft hatten: La Guarida. Hat erst wieder am Abend geöffnet, aber wir dürfen uns umschauen: Von der Straße aus kaum zu finden, man klettert über eine Baustelle und befindet sich gleich wieder in der nächsten Baustelle: Alles um das Restaurant herum scheint renoviert zu werden. Hier wurde 1993 der kubanische Film „Fresa Y Chocolate“ gedreht, worauf man heute noch ganz stolz ist. Das Guarida – ein einziger Blickfang inmitten einer Großbaustelle. Irgendwie typisch für die ganze Stadt. Ein passender Abschluss für uns.


Nächste Station: Los Angeles (mit Stopover in Cancun)

Vorherige Station: Viñales

2 Kommentare zu “Rückkehr nach Havanna: Explosion beim Mittagessen

  1. Hoggy

    Hallo Dominik,
    vielen Dank für deinen unverklärten und aufschlussreichen Bericht über deine Kuba Rundreise! Ich kann mir vorstellen, dass ihr mit dem grossen und lauten Havanna zum Abschluss nach so einer Reise wieder ein bisschen in den Grosstadtalltag zurückgeholt wurdet. Denn das Besondere an Kuba findet man wirklich fernab der Hauptstadt.

    1. Dominik Autor des Beitrags

      Hallo Hoggy, stimmt. Das Großstadtfeeling war plötzlich wieder da. Ist natürlich ein absoluter Gegensatz zu den vorherigen Orten, aber trotzdem reizvoll. 😉

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