Werbung I Krakau ist bekannt für seine historische Altstadt – UNESCO-Welterbe, prächtige Architektur, das Wawel-Schloss, die Weichsel. Doch fernab der restaurierten Fassaden pulsiert eine kreative, urbane Seite: illegale Graffiti, bunte Murals, lebendige Foodmarkets, Drehorte, ungewöhnliche Museen. In diesem Artikel führe ich dich zu den 11 Orten, die mich abseits der ausgetretenen Pfade in Krakau besonders begeistert haben. Gefunden habe ich sie vor allem im jüdischen Viertel Kazimierz.

Falls du dir erst einmal die wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Krakau ansehen möchtest und vielleicht auch nicht so viel Zeit hast, kann ich dir die Tipps für einen perfekten Tag in: Krakau empfehlen.
Kommen wir jetzt aber zu den Lieblingsorten jenseits der Altstadt:
1. Ulica Józefa: Streetart, Szene-Flair und Foodie-Eldorado
Wenn du Krakau von seiner alternativen Seite entdecken willst, führt kein Weg an Kazimierz vorbei – dem einst jüdischen Viertel der Stadt, das sich heute in einen kreativen Schmelztiegel aus Kunst, Geschichte und hippen Locations verwandelt hat. Besonders gut erlebbar ist das in der Ulica Józefa, einer charmanten Straße mit inhaber:innen-geführten Geschäften, Hausfassaden voller Geschichte und Streetart.

Gleich fünf Murals von Piotr Janowczyk zieren die Wände entlang der Straße. Sie zeigen bedeutende Persönlichkeiten, die mit dem Viertel in Verbindung stehen:
- Kazimierz Wielki (Kasimir der Große), der Namensgeber des Viertels
- Esterka, seine jüdische Geliebte, mit der ihn eine legendäre Liebesgeschichte verbindet
- Karol Knaus, Architekt und Stadtplaner des Viertels
- Helena Rubinstein, die berühmte Kosmetikunternehmerin, die hier aufwuchs
- Jozef II von Habsburg, Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, regierte von 1765 bis 1790
Das großflächige Wandbild an der Ecke Ulica Józefa 17 / Węgierska 1 wurde 2016 gestaltet und ist seither eines der ikonischen Motive Kazimierz’.
Cafépause oder Kneipenstopp?

Die Ulica Józefa lädt nicht nur zum Streetart-Spotting ein, sondern ist auch ideal für eine kulinarische Pause. Keine Spur von großen internationalen Ketten. Hier findest du ausschließlich individuelle Läden, kleine Cafés, Bars und Boutiquen. Besonders empfehlen kann ich dir:
- Kaffee oder Bier im „Eszeweria“ (Ulica Józefa 9): Ein charmantes Café mit Vintage-Charme und grünem Innenhof – perfekt zum Durchatmen nach der Kunsttour.
- Essen im „Wrega“ (Ulica Józefa 17): Der Eingang zu diesem Lokal befindet sich direkt zwischen den vier Murals. Gut sitzen lässt es sich im grünen und etwas verwunschenen Hinterhof. Zwar etwas touristisch, aber die Atmosphäre passt und das Essen ist solide.
- Piroggen & Käsekuchen im „Starka Restaurant“ (Ulica Józefa 14): Ein Klassiker in Kazimierz. Hier solltest du unbedingt polnische Piroggen probieren – und zum Nachtisch ein Stück Sernik, den typischen Käsekuchen.
2. Die Passage aus „Schindlers Liste“: Filmgeschichte zum Anfassen

In der Ulica Józefa 12 liegt ein etwas versteckter, aber eindrucksvoller Ort für alle, die Krakau auch durch die Linse der Filmgeschichte erleben möchten. Der kleine Hof, durch den du hier gehst, diente als Drehort für mehrere Ghettoszenen in Steven Spielbergs preisgekröntem Film „Schindlers Liste“ (1993), der in Krakau und Umgebung gedreht wurde.
Der Film erzählt die wahre Geschichte vom Sudetendeutschen Oskar Schindler, der während der deutschen Besatzung mehr als 1.000 jüdische Zwangsarbeiter:innen vor der Deportation rettete. Viele der Szenen wurden nicht im eigentlichen Krakauer Ghetto, sondern an Orten in Kazimierz und Podgórze aufgenommen – unter anderem eben hier in dieser Passage.
Heute kannst du dir im Innenhof eine kleine Fotoausstellung anschauen, die auf langen Texttafeln intensive Einblicke in die wechselhafte Geschichte Krakaus ermöglicht. Auch die symbolische Installation aus alten Koffern erzählt vom Schicksal der Menschen, die während des Zweiten Weltkriegs zunächst vertrieben wurden.

Wenn du magst, kannst du das historische Ambiente in Ruhe bei einem Getränk auf dich wirken lassen – in einer der beiden Bars im Hof. Beide sind atmosphärisch und geben dir das Gefühl, mitten in einem Stück (Film-)Geschichte zu sitzen. Hier wird auf die beste Art Altes bewahrt und der Ort dennoch durch Neues belebt.
3. Plac Nowy: Zapiekanka, Streetart und das Herz von Krakau
Nur ein paar Schritte von der Ulica Józefa entfernt liegt der Plac Nowy – ein zentraler Treffpunkt des alternativen Viertels Kazimierz. Der Plac Nowy, von Einheimischen auch „Jüdischer Platz“ oder „Schwedischer Platz“ genannt, war über Jahrhunderte das Zentrum des jüdischen Lebens in Kazimierz. Wo früher ein Geflügelschlachthof und Märkte das Viertel prägten, pulsiert heute das alternative Herz Krakaus mit Zapiekanki-Ständen, Designmärkten und Kultbars. In der Mitte des Platzes steht das markante runde Marktgebäude (als Okrąglak bekannt). Heute wird hier vor allem eines verkauft: Zapiekanki.
Foodtipp: Zapiekanki

Die Zapiekanka (Singular) ist ein typisch polnisches Streetfood – ein längs halbiertes Baguette, traditionell belegt mit Käse und Champignons, heiß überbacken und auf Wunsch mit zusätzlichen Zutaten wie Zwiebeln, Salami oder scharfer Sauce ergänzt. Ursprünglich ein Arme-Leute-Essen aus der Zeit des Kommunismus, ist es heute ein beliebter Snack bei Nachtschwärmer:innen, Tourist:innen und Locals gleichermaßen.
Tipp: Ich hab mein erstes Zapiekanka mit Ketchup gegessen. Ohne wäre vermutlich besser gewesen, deswegen: Wähle deine Variante bewusst mit oder ohne den dominanten süßlichen Tomatenüberzug.
Streetart rund um den Plac Nowy

Auch rund um den Plac Nowy findest du sehenswerte Murals. Besonders auffällig: das farbenfrohes Mural “Baum, der nicht gefällt werden kann” (Tree That Cannot Be Cut Down) mit jüdischer Symbolik. Es blickt direkt auf den Plac Nowy und steht sinnbildlich für die tiefe kulturelle Verwurzelung des Viertels. Es wurde 2023 im Rahmen des Projekts „100 Murals for Kraków“ von Przemysław Widła, Karolina Danek, Joanna Dobranowska und Piotr Jakób gestaltet.

Ein weiteres Highlight am Plac Nowy ist das Mural „Plac Nowy sercem Kazimierza“ („Plac Nowy – das Herz von Kazimierz“), gestaltet 2020 von Marcin Kowalik nach einem Entwurf von Kamila Kochanowska. Das Wandbild zeigt eine stilisierte Karte des Viertels mit einem Herz im Zentrum, ein Symbol für die Rolle, die der Platz im Leben von Kazimierz spielt. Initiiert wurde das Projekt von lokalen Gastronom:innen, die damit nicht nur das Gebäude verschönern, sondern auch den Gemeinschaftssinn im Viertel stärken wollten.
Tipps für Lokale mit Geschichte und Atmosphäre

Wenn du nach einem Zapiekanka noch Hunger hast oder einfach ein Bier oder einen Kaffee trinken möchtest, sind das meine Krakau-Geheimtipps für einige der kultigsten Locations der Stadt:
- Alchemia (Ulica Estery 5): Ein Klassiker in Kazimierz ist das Alchemia. Schummrig, geheimnisvoll und mit viel Patina ist es Jazzclub und Bar in einem.
- Hevre (Ulica Beera Meiselsa 18): Ehemalige Synagoge, heute eine Bar mit Restaurantbetrieb und beeindruckenden Wandmalereien aus der Vorkriegszeit. Eine der ungewöhnlichsten Locations mit ganz eigenem, morbidem Charme.
- Szklanki (Ulica Jakuba 19): Multi-Tap und Pizza-Garten, Streetart draußen, ein uriger Innenhof, findest du hier 28 Zapfhähne, an denen du dir selbst Craftbeer und Wein zapfen kannst.
4. Galeria Koloru: Audienz beim Streetart-König von Krakau

Schon mal darüber nachgedacht, wie Streetart-Künstler:innen eigentlich an ihre Materialien kommen, wenn sie in einer fremden Stadt arbeiten wollen? Spraydosen gelten als Gefahrgut und sind im Flugzeug verboten. Wer spontan loslegen will, muss also wissen, wo es Nachschub gibt.
In Krakau ist die Galeria Koloru (Adresse: Bozego Ciała 4) der Ort, an dem sich die Streetart-Szene versorgt – ein kleiner Shop mit großer Bedeutung. Er wird von einem der zentralen Köpfe der Krakauer Graffiti-Community betrieben, dem inoffiziellen Streetart-König der Stadt, wie mir ein Insider verraten hat. Und ja, es gibt so etwas wie eine Hierarchie in dieser Szene: Wer als Externe:r einen guten Spot verschönern will, kommt besser vorbei, stellt sich vor und bittet gewissermaßen um eine Audienz. dann hat er oder sie gute Chancen, dass das eigene Werk nicht übermalt (gecrosst) wird.
Die Galeria Koloru besteht aus zwei Räumen. Der erste wirkt wie ein Plattenladen – also unbedingt durchgehen in den zweiten. Hier findest du nicht nur Spraydosen in allen Farben, sondern auch allerlei andere nützliche Accessoires, zum Beispiel das MR.Serious Unknown Cap Grey, bei dem man dein Gesicht nicht erkennt, den Ganzkörperanzug “Kombinezon Ninja Black” oder das Stickerset “WTF Subway”.
Schon die Außenfassade ist einen genauen Blick wert: sie ist gespickt mit Stickern und kleinen Streetart-Stücken, eine Mini-Wall-of-Fame sozusagen.
5. Zensur ist überall: Pikaso und die Macht der Kirche

Wenn du der Bocheńskiego Ciała weiter folgst, kommst du linker Hand an der eindrucksvollen Corpus-Christi-Basilika vorbei. Besonders der wuchtige Turm prägt das Stadtbild. Ich habe ihn bei meinem Krakau-Aufenthalt immer wieder aus der Ferne fotografiert. Doch auch ein Stück Streetart gleich nebenan lohnt den Blick.
An der Hauswand Wawrzyńca 5 findest du das Mural „For god’s sake, censorship is everywhere“ des Künstlers Pikaso, entstanden 2012 im Rahmen des ArtBoom Festivals. Ursprünglich hatte Pikaso ein anderes, offenbar (kirchen-)kritisches Motiv geplant. Doch die Nähe zur benachbarten Basilika sorgte für heftigen Protest. Das Werk wurde verworfen, bevor es überhaupt entstehen konnte.

Aus Protest entschied sich Pikaso für einen anderen Weg: Er zensierte sich selbst. Sein Mural zeigt den Kopf eines Mannes, dessen Gesicht durch einen breiten schwarzen Balken unkenntlich gemacht wurde, eine eindrückliche visuelle Kritik an der fortbestehenden Einschränkung künstlerischer Freiheit, auch nach dem offiziellen Ende der Zensur in Polen 1989.
Heute ist das Werk zwar etwas verblasst, doch die Botschaft bleibt aktuell: ein stiller, starker Kommentar zur Rolle von Religion und Macht im öffentlichen Raum.
Restaurant-Tipp: Nesi’s Home Kitchen

Wenn du schon hier bist, schau unbedingt im benachbarten Nesi’s Home Kitchen (Wawrzyńca 5) vorbei, ein kleines georgisches Restaurant mit gemütlicher Atmosphäre und hervorragendem Essen. Soulfood vom Feinsten!
6. Judah und wie er von Foodtrucks verraten wurde
Wenn du der Straße Świętego Wawrzyńca weiter folgst, kommst du zu einem der eindrucksvollsten Murals in Kazimierz. Es trägt den Titel „Yehuda the Lion“ (Adresse: Hauswand Świętego Wawrzyńca 14A) und stammt vom israelischen Künstler Pilpeled. Entstanden 2013 beim Jüdischen Festival, zeigt das großformatige Werk ein Kind mit nachdenklichem Blick und einem Löwen-Kopfschmuck, der ihm etwas von einem furchtlosen Krieger gibt.
Auf dem T-Shirt des Jungen prangt das Wort „Judah“. Das Streetart-Stück ist laut Pilpeled ein “Symbol für das jüdische Volk und den ständigen Kampf jedes Kindes, erwachsen zu werden und die alltäglichen Ängste und Herausforderungen eines verantwortungsvollen Lebens zu überwinden.”

Doch heute ist die Aussage des Murals verzerrt. Denn direkt davor stehen mehrere Foodtrucks, die das halbe Bild – einschließlich der zentralen Botschaft auf dem T-Shirt – verdecken. Was einst ein stilles, kraftvolles Zeichen für Identität und Widerstand war, ist nun zur Dekoration des Kommerz geworden, auch wenn der in Form eines hippen Streetfood-Marktes daherkommt. Ironischerweise hat der ehemalige Parkplatz sich nun “Judah Food Market” genannt, nach dem Teil des Kunstwerks, den er verdeckt.
Museum für Technik und Ingenieurwesen
Gegenüber liegt das Museum für Technik und Ingenieurwesen, das sich vor allem für Technikinteressierte lohnt. Am Ende der Straße steht gelegentlich ein restaurierter, historischer Straßenbahnwagen – ein sehr nettes Fotomotiv.

Food-Tipp: Wenn du die Kommerzialisierung von Streetart nicht mit einem Burger vor dem Mural unterstützen möchtest, gibt es gleich nebenan (Świętego Wawrzyńca 12) das Stara Zajezdnia mit großem Außenbereich, wo du in entspannter Atmosphäre essen kannst. Eine Mini-Brauerei gehört auch dazu.
7. Jüdisches Museum mit Streetart und Engagement

An der Fassade des Galicia Jewish Museum (ul. Dajwór 18) zieht ein großformatiges, gelb-schwarzes Mural von Marcin Wierzchowski die Blicke auf sich. Im Zentrum: eine Menora, das zentrale Symbol des Judentums. Das Kunstwerk schlägt symbolisch eine Brücke zwischen dem jüdischen Leben im Vorkriegs-Krakau und dem heutigen Jerusalem – zwei Welten, verbunden durch Geschichte und Erinnerung. Im Innenhof des Museums findest du zwei weitere, kleinere Murals, die allerdings nur mit Eintrittsticket zugänglich sind.

Das Museum zeigt die jüdische Vergangenheit und Gegenwart Polens aus einer zeitgenössischen Perspektive. Neben Ausstellungen organisiert es auch Musikabende, Stadtführungen, Fahrten nach Auschwitz/Birkenau und dient als spiritueller Treffpunkt der progressiven jüdischen Gemeinde Beit Kraków, die hier regelmäßig Gottesdienste feiert. Ein kleiner Museumsshop lädt zum Stöbern ein, und im reizenden Museumscafé kannst du die Eindrücke gut verarbeiten.
Food-Tipp: Direkt nebenan in der Hausnummer 16, dort wo auch das Mural mit der Menora zu sehen ist, lädt der Pełnia Social Club mit entspannter Atmosphäre zum Verweilen ein. Essen und Drinks sahen hier sehr gut aus.
8. Andenken durch Streetart: Mural für Lilien

Wenn du, ein paar Schritte vom jüdischen Museum entfernt, den Blick auf die andere Straßenseite wendest, entdeckst du das großflächiges Mural der israelischen Streetart-Crew Broken Fingaz, gestaltet im Stil des Jugendstils. Es entstand 2014 im Rahmen des 24. Jüdischen Kulturfestivals und ist eine Hommage an den galizisch-jüdischen Künstler Ephraim Moses Lilien (1874–1925). “Moshe” Lilien war Teil der zionistischen Kunstbewegung, wo er europäische Ästhetik mit jüdischer Symbolik verband. Er setzte sich künstlerisch für die Idee eines jüdischen Nationalstaats ein. Besonders bekannt wurde er durch seine ornamentalen grafischen Arbeiten und Exlibris.
Das Wandbild schmückt die Fassade eines Hauses, das einst der Familie Bosak gehörte – einer alteingesessenen jüdischen Familie, die hier bis zur Errichtung des Krakauer Ghettos 1941 lebte. Obwohl die Familie heute in Israel lebt, hat sie das Gebäude behalten. Sie überlässt es mehr oder weniger seinem Schicksal. Mit dem Mural als sichtbares Erinnerungszeichen an die Geschichte war sie einverstanden.
Ein Plexiglasschild am Haus (Plac Bawół 3) trägt die Inschrift: „In Memory of the Bosak Family, Residents of Kazimierz, 1633-1941“.
Frühstückstipp: Direkt nebenan findest du das Café Poranki (Plac Bawół 4) – perfekt zum Frühstücken oder ein Stück Kuchen.
9. Ulica Szeroka: Hauptschlagader des jüdischen Viertels

Die Ulica Szeroka ist keine gewöhnliche Straße, sondern eher ein langgezogener Platz – und das lebendige Zentrum des jüdischen Viertels Kazimierz. Gepflastert mit historischem Kopfstein aus der österreichischen Zeit, strahlt sie bis heute eine besondere Atmosphäre aus.
Ein Platz mit vier Synagogen

Einst standen hier gleich vier Synagogen. Heute sind noch drei erhalten:
- die aktive Remu-Synagoge (Szeroka 40),
- die Alte Synagoge (Szeroka 24), die älteste in Krakau und heute ein Museum, sowie
- die ehemalige Popper-Synagoge, in der sich nun ein reizender, etwas versteckter Buchladen (Geheimtipp!) befindet. Geh unbedingt hinein. Der Laden ist etwas zurückgesetzt in der Szeroka16.
- Die vierte Synagoge wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört.
Filmfans erkennen die Szeroka vielleicht aus dem Film Schindlers Liste wieder: Steven Spielberg ließ hier Szenen spielen, die im Film eigentlich auf dem Zgody-Platz im Krakauer Ghetto (heute Plac Bohaterów Getta) verortet sind.
Gleich rechts neben der Remu-Synagoge sitzt Jan Karski (1914-2000) auf einer Bank – als Statue. Der Held der polnischen Widerstandsbewegung im Zweiten Weltkrieg und Zeuge des Holocausts wird hier mit einem Denkmal geehrt. Seit 2016 lädt diese Denkmalbank nicht nur zum Gedenken, sondern auch für ein Foto mit der historischen Figur ein.
Restaurant-Tipp: Hamsa

Kulinarisch kann ich das israelische Restaurant Hamsa (Hausnummer 2) mit moderner Levante-Küche empfehlen – ideal für eine entspannte Mittagspause oder, um den Tag in nettem Ambiente ausklingen zu lassen.
Klezmer-Hois: Verlag, Buchladen, Hotel und Restaurant mit Livemusik

Noch besonderer ist jedoch das Klezmer-Hois, ein echtes Überraschungsei: Restaurant, Hotel, Buchladen und Verlag in einem – dazu gibt es jeden Abend um 20 Uhr Live-Klezmermusik (eine instrumentale Festmusik). Wer hier übernachtet, fühlt sich wie auf Zeitreise: Beim Frühstück klingt Musik der 1930er-Jahre durch den Raum. Die Einrichtung ist opulent, manchmal fast schwer – immer voller Geschichte.
Tipp für müde Füße: Stadttour mit Elektro-Buggy

Wenn die Füße müde werden, kannst du von hier aus bequem eine Tour mit einem der kleinen offenen Golf-Caddies starten. Die elektrischen Fahrzeuge flitzen überall durch Krakau und sind eine angenehme Möglichkeit, die Stadt fußschonend zu erkunden, besonders an heißen Tagen oder bei wenig Zeit.
10. Schindlers Emailwarenfabrik und Streetart-Geheimtipps in Podgórze
Ein Stück südlich der Weichsel, im Stadtteil Podgórze, liegt der ehemalige Industriekomplex, der durch einen Mann weltberühmt wurde: Oskar Schindler. In seiner ehemaligen Emailwarenfabrik, heute ein Museum, wird allerdings weniger über ihn selbst erzählt, sondern vor allem über die Zeit des Nationalsozialismus in Krakau und das Schicksal der jüdischen Bevölkerung. Wer nur wegen der Schindler-Geschichte kommt, wird womöglich enttäuscht sein – die Ausstellung beleuchtet das große Ganze, weniger das Einzelschicksal.

Tipp: Unbedingt vorab Online-Tickets buchen – vor Ort ist die Warteschlange meist lang. Wenn du online keine Tickets ergatterst, komm gleich morgens, wenn das Museum öffnet.
Direkt nebenan liegt das Museum für Gegenwartskunst in Krakau (MOCAK), das mit wechselnden Ausstellungen und einem charmanten französischen Café überrascht.

Gleich ums Eck, an der Ecke Ulica Kącik / R. Traugutta, findest du ein eindrucksvolles Mural links auf einem mehrstöckigen Wohnhaus: Eine ältere Frau in einem grünen, blättrigen Mantel, umgeben von trockener, aufgerissener Erde, ein Symbol für Zerbrechlichkeit und Natur im Wandel.
Ein Stück Ghettomauer und der Platz der Ghettohelden

Wenige Gehminuten entfernt erinnert ein Stück Originalmauer des ehemaligen Ghettos von Podgórze an die dunkle Geschichte des Viertels. Eine Gedenktafel trägt die schlichte, erschütternde Inschrift: „Hier haben sie gelebt und gelitten und sind von den Nazi-Henkern ermordet worden. Von hier aus führte ihr letzter Weg in Vernichtungslager.“
Das Ghetto wurde im März 1941 errichtet. Innerhalb kürzester Zeit lebten dort 15.000 Menschen auf engstem Raum, in einem Gebiet, das vorher für 3.000 ausgelegt war.
Auf dem Plac Bohaterów Getta (Platz der Ghettohelden) steht ein berührendes Mahnmal aus 60 leeren Stühlen, ordentlich über den Platz verteilt und scheinbar wahllos an die nahegelegene Haltestelle der Straßenbahn gestellt. Es erinnert an die Abwesenheit der vielen, die einst hier lebten und nicht zurückkehrten.
Graffiti Hostel

Wenn du jetzt eine Pause brauchst: Das Graffiti Hostel in der Targowa-Straße 2 hat nicht nur günstige Zimmer, sondern auch ein entspanntes Café mit Sitzbereich draußen im Innenhof. Direkt gegenüber findest du eine weitere Besonderheit: Streetart von BerriBlue.
Streetart von BerriBlue

Die polnisch-irische Künstlerin ist bekannt für ihre Arbeiten mit keramischen Azulejos-Fliesen. Was auf den ersten Blick gar nicht wie “illegale” Streetart wirkt, entpuppt sich als farbenfrohes, überraschendes Kunstwerk mitten im öffentlichen Raum. BerriBlue kombiniert portugiesisches Handwerk mit modernen, femininen Motiven – ihre Arbeiten zieren heute Hauswände von Porto bis Krakau. Plus, sie ist eine der wenigen Frauen in dieser immer noch sehr männlich dominierten Szene.
11. Kunst und Kulinarik rund um die Krupnicza-Straße: von Glas, Gärten & Graffiti
Etwas abseits der klassischen Tourist:innenrouten liegt eine Ecke Krakaus, die sich wunderbar für einen halben Tag voller Entdeckungen eignet: mit moderner Streetart, gutem Essen, einem wunderschönen Gartencafé und ehrwürdiger Kunstgeschichte im charmantesten Museum der Stadt: dem Buntglasmuseum Krakau (Muzeum Witrazu), ein echter Krakau-Geheimtipp.
Buntglasmuseum Muzeum Witrazu

Dessen Werkstatt befindet sich seit 1902 im selben Gebäude und ist die älteste kontinuierlich betriebene ihrer Art in Polen. Hier arbeiteten bereits Künstlergrößen wie Stanisław Wyspiański oder Józef Mehoffer. Achtung: Du kannst das Museum nur im Rahmen einer geführten Tour besuchen. Diese bringt dich in die heiligen Hallen des Muzeum Witrazu: die Werkstatt. Dort erklärt und zeigt dir dein:e Guid:in die komplexe Technik der Buntglasherstellung. Schritt für Schritt. In unserem Fall Lucyna:

Ein Tipp: Wenn dich das Thema besonders interessiert, kannst du im Anschluss an die Tour an einem Workshop teilnehmen und dich selbst in diesem Kunsthandwerk versuchen. Unbedingt rechtzeitig vorher buchen. Zum Museum gehört ein kleines Café und ein zauberhaften Shop mit ausgewählten Glasarbeiten. Mein Lieblingsmuseum in Krakau (und dort gibt es über 80 Museen!).
Józef-Mehoffer-Haus mit Gartencafé

Nur wenige Minuten zu Fuß entfernt, rechts um die Ecke, liegt das Józef-Mehoffer-Haus (Krupnicza 26), eine Zweigstelle des Nationalmuseums und ehemaliges Wohnhaus des gleichnamigen Künstlers. Hier findest du neben seinen Werken auch kunstvolle Kirchenfenster, Möbel und japanische Holzschnitte. Der Clou: Im Innenhof versteckt sich ein wunderschöner Garten mit einem idyllischen Café, das du auch ohne Museumsticket besuchen kannst. Ideal für eine Pause im Grünen.
Mural Street Food Park

Wenn dir der Sinn nach etwas mehr Trubel steht, findest du gleich nebenan den Mural Street Food Park an der Krupnicza 24. Seinem Namen entsprechend wartet dort ein weiteres Highlight: das großflächige Wandbild „M-City 658“ von Mariusz Waras, entstanden im Rahmen des ArtBoom Festivals 2012. Es zeigt Krakau als utopische Stadtlandschaft – detailverliebt, grafisch und surreal. Das Bild verleiht dem kleinen Platz mit seinen sechs Foodtrucks, Craft-Bier-Bar und Pizza-/Burgerständen seine ganz besondere Atmosphäre.
Park mit Geschichte und Murals
Nicht weit entfernt, beim 2023 neu eröffneten Wisława-Szymborska-Park an der Karmelicka-Straße, findest du zwei großflächige Murals auf beiden Seiten des Parks. Der Ort wurde zu Ehren der polnischen Literaturnobelpreisträgerin Wisława Szymborska benannt. 2023 wäre sie 100 Jahre alt geworden.

Eines der Wandbilder (Karmelicka 28) ist ihrem berühmten Gedicht „Nic dwa razy“ („Nichts zweimal“) gewidmet und mit verspielten Zeichnungen versehen, die teilweise an Alice im Wunderland erinnern. Ein kleiner Fotospot mit Katze lädt rechts unten zum Posieren ein.

Das zweite Mural zeigt einen skateboardfahrenden Sprayer, aus dessen Dose bunte Blumen hinausfliegen. Clever: Der untere Rand des Murals wurde lokalen Streetart-Künstler:innen für ihre Tags zur Verfügung gestellt. Ein lebendiges Zeichen für Krakaus offene Streetart-Szene und ein Garant dafür, dass das Mural nicht gecrosst wird. Natürlich alles in Absprache mit dem „Streetart-König“ der Stadt.
Streetart in Krakau: Wer wie was wo?
Hier noch einige nützliche Hintergrund-Infos zur Streetart in Krakau:
Streetart in Krakau: wo du sie findest

Die meisten der über 300 Murals der Stadt befinden sich in den Vierteln Kazimierz, Podgórze, Zabłocie und Nowa Huta – rund um den Bahnhof und den Mogilskie-Rondo; die Altstadt selbst ist tabu. Besonders in Kazimierz, dem jüdischen Viertel südlich der Weichsel, findest du fast an jeder Ecke Kunstwerke, die das Stadtbild prägen. Auch in Podgórze entstanden in leeren Industrie- und Parkflächen farbenprächtige Wandbilder. Aus hehren künstlerischen Interessen entstanden verwandeln sie ehemals triste Orte im Laufe der Zeit in Treffpunkte, Märkte und Foodcourts.
Über Kazimierz: das jüdische Viertel
Da die meisten meiner Streetart-Lieblingsorte in Kazimierz liegen, möchte ich dir das jüdische Viertel Krakaus kurz vorstellen. Über Jahrhunderte war Kazimierz das Zentrum des jüdischen Lebens in Krakau, mit Synagogen, kulturellem Leben und Handel. Während der Zeit des Kalten Kriegs glich es einer Geisterstadt, in die man besser nicht ging. Zum Glück hat es sich im Laufe der letzten 35 Jahre erholt.

Heute ist es eines der lebendigsten Viertel der Stadt: Streetart trifft auf kulinarische Szene, historische Orte auf moderne Kultur. Alte Häuser, Kopfsteinpflaster und stille Gassen bieten Murals, Restaurants und Bars eine kultige Heimat. Kazimierz ist ein kontrastreicher Ort zwischen Tradition, Erinnerung und Kreativität, den du garantiert mögen wirst!
Streetart in Krakau: Geschichte, Festivals & Politik
Krakau hat in den letzten Jahren eine eindrucksvolle Wandlung erlebt – unter anderem durch Initiativen wie das ArtBoom Festival (2009-2015), das Festival of Jewish Culture und das Projekt „101 Murals for Kraków“. Während ArtBoom visuelle Räume im öffentlichen Raum aufwertete, setzte das jüdische Festival Kunst gezielt zur Erinnerungskultur ein. Herz der Szene sind heute die Quartiere Kazimierz und Podgórze.
Seit 2022 gibt es erstmals eine offizielle Mural-Strategie mit einem gemischten und ehrenamtlichen “Mural-Team”, das die Planung, Qualität und Förderung neuer Kunstprojekte koordiniert. Die Stadt vergibt jährlich Fördermittel für öffentliche Kunst und organisiert entsprechende Wettbewerbe für Kreativprojekte.
Inside Krakaus Streetart: unterwegs mit Artur

Das Highlight meiner Streifzüge durch Krakaus Szeneviertel war unumstritten meine Tour mit Artur Wabik. Er ist Professor für Kunst im öffentlichen Raum, Gründer des Komikmuseum in Krakau (Muzeum Komiksu) und Mitglied des Krakauer Mural-Komitees. Auf der 2,5-stündigen Tour hat er mir einen persönlichen Einblick in die Szene gegeben, von der er schon 30 Jahre lang selbst ein Teil ist. Als langjähriger Insider kennt er Kunstprojekte, die Stadtpolicy, Genehmigungsverfahren und Initiativen wie kein anderer in Krakau. Der Kommerzialisierung von Streetart steht er sehr kritisch gegenüber, was zu interessanten Diskussionen führte. Artur kannst du auf Instagram folgen: @arturwabik und @muzeumkomiksu
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Diese Artikel zu Reisezielen in Polen findest du bereits auf Weltreize:
- Schönste Radtour Polens: Tipps für 4 Tage auf dem Velo Dunajec
- Tipps für einen perfekten Tag in: Krakau
- Tipps für einen perfekten Tag in: Danzig
- Tipps für einen perfekten Tag in: Breslau
Weiterlesen! Streetart-Beiträge & Interviews
→ Streetart und → Städtereisen sind zwei meiner Steckenpferde auf Weltreize. Deswegen findest du hier jede Menge Stoff zum Weiterlesen:

- Im reizenden französischen Nancy habe ich mich vor einiger Zeit mit dem Fahrrad auf die Suchen nach Streetart gemacht und einiges entdeckt: Streetart & Graffiti in Nancy – reizender Insidertipp in Lothringen.
- In der französischen Stadt Industrie- und Unistadt Mulhouse gibt es ebenfalls jede Menge Streetart zu entdecken: Streetart in Mulhouse: Geheimtipp im Elsass.
- In Mannheim habe ich mir diesen Sommer das spannende Muralprojekt Stadt.Wand.Kunst angeschaut. Dabei arbeitet die Stadt Mannheim mit diversen anderen Akteur:innen wie dem Kulturzentrum „Alte Feuerwache“, der Wohnungsbaugenossenschaft GBG oder der Sprühdosenhersteller Montana Cans Heidelberg zusammen, um die Quadratestadt etwas bunter zu machen: Streetart in Mannheim: das Muralprojekt Stadt.Wand.Kunst.
- Im niedersächsischen Einbeck war ich auf dem Streetart-Festival „Streetart-Meile„. Daraus ist der Artikel → Einbecks Straßenkunst: die 7 schönsten Spots für Fachwerk und Streetart entstanden. Darin stelle ich in einer Art Oscar-Verleihung einem Streetart-Stück ein Fachwerkhaus, was ja auch irgendwie Streetart ist, gegenüber.
- Wusstest du, dass es in der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover gleich zwei Streetart-Festivals gibt? Eines davon – Urban Nature – habe ich zum Anlass genommen, mich auf die Suche nach den schönsten Murals und den besten Artspots zu machen: Streetart & Graffiti in Hannover: ultimativer Guide für die schönsten Murals und die besten Artspots
- In Heidelberg war ich auf dem Metropolink Festival für urbane Kunst live dabei, wie auf einem ehemaligen amerikanischen Kasernengelände neue Streetart entstanden ist – eine super Erfahrung, falls du mal die Chance hast: → Streetart in Heidelberg: das Metropolink Festival für urbane Kunst.
- In London, eine meiner liebsten Städte, habe ich mich beim letzten Besuch auf die Suche nach Streetart gemacht, einen Amy-Winehouse-Streetart-Trail und in der Brick Lane das reinste Streetart-Eldorado entdeckt. Die ganze Geschichte erzähle ich dir im Artikel → Endlich London: auf der Suche nach Streetart.
- In Valencia, wo ich zwei Wochen zum Spanischlernen war, hat mich besonders fasziniert, dass die höchste Streetart-Dichte im Herzen der Altstadt zu finden ist. Die zeige ich dir im Artikel → Streetart in Valencia: bunt, laut, mittendrin
- In London habe ich dem chilenischen Streetart-Künstler Otto Schade ein paar Fragen gestellt. Warum er Streetart macht, liest du im → Interview
- Auch in Valencia bin ich mit einem Streetart-Macher ins Gespräch gekommen. Diesmal mit dem Bildhauer Rodrigo Romero Pérez. Im → Interview verrät er mir, was für ihn das Besondere an Streetart ist.
Transparenzhinweis: Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit dem Polnischen Fremdenverkehrsamt in Berlin und seinen Partner:innen entstanden. Meine persönliche Meinung wurde davon nicht beeinflusst.
Weitere Informationen über Reisen nach Polen findest du unter Poland Travel. Weitere Geschichten über Krakaus reiches Kulturerbe (einschließlich Streetart) findest du auf der Website von Krakow Heritage (auf Englisch).
