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Selous-Wildreservat: Malaria, wilde Tiere und Didi der Buschmann

Das Selous-Wildreservat ist das größte kontrollierte Wildschutzgebiet Afrikas und gehört seit 1982 zum UNESCO-Weltnaturerbe. In Wildschutzgebieten (Game Reserves) ist erlaubt, was in den staatlichen Nationalparks verboten ist: Der Besucher darf überall aussteigen, plus der Geländewagen darf die Wege verlassen, um z.B. näher an Tiere heranzufahren. Ob Aussteigen immer so ratsam ist, ist eine andere Frage. Das Reservat liegt am gigantischen Ruaha-Rufiji-Flusssystem. Auch deshalb gibt es ca. 350 Vogelarten und große Wildtierbestände. Letztere sichern die entspannte Versorgung der 3000 bis 4000 Löwen. 

Im Hippo Camp

Von Daressalam sind es mit dem Auto knapp sieben Stunden bis zum Hippo Camp direkt am Fluss. Leider befindet sich das Camp außerhalb des Reservats, dafür ist die Übernachtung dort günstiger. Wir bleiben drei Nächte, haben also zwei volle Tage Safari! Im Camp wartet unser Koch Benson mit einer großen, wirklich köstlichen Portion Spaghetti Bolognese auf uns – typisch afrikanisches Essen 😉 Während wir ausgehungert die Nudeln in uns hineinschlingen, schließen wir Benson sofort ins Herz: nicht nur ist das Essen wirklich gut, er hat sich auch extra schick gemacht und trägt eine richtige Kochmütze. <3

Auch von unserem kleinen Bungalow direkt am Fluss sind wir positiv überrascht, denn: wir haben ein richtiges Bett 🙂 Die grüne Beleuchtung im Bad ist zwar etwas gewöhnungsbedürftig, und warmes Wasser gibt es nur nach Absprache mit Campchef Revukatus (der stets passend mit einem nachgemachten Hugo-BOSS-Poloshirt gekleidet ist) nur einmal am Tag. Strom zum Aufladen von Akkus und Handys finden wir nur abends und nur an der Bar.

Das Hippo Camp vom Fluss aus gesehen.

Das Hippo Camp vom Fluss aus gesehen.

Egal, das Camp ist wunderschön ruhig mitten in der Wildnis gelegen, und allabendlich wird ein Lagerfeuer entfacht, in das wir starren und an dem wir die Eindrücke des Tages verarbeiten können. Und wann hat man das schonmal: dass jemand ein Lagerfeuer für dich macht, dir einen Stapel Feuerholz zum Nachlegen dazulegt und du dich einfach nur hinsetzen und genießen musst?! 

Lagerfeuer im Hippo Camp, im Hintergrund: der Fluss und die untergehende, rote, afrikanische Sonne

Lagerfeuer im Hippo Camp, im Hintergrund: der Fluss und die untergehende, rote, afrikanische Sonne

Bootsfahrt

Am ersten Spätnachmittag erwartet uns eine Bootsfahrt auf dem Fluss. Dabei gibt es vor allem die ersten von seeehr vielen Krokodilen, Flusspferde (Hippos), denen das Camp seinen Namen verdankt, und jede Menge Vögel zu sehen. Begeistert knipsen wir hunderte Fotos von den Flusspferden, was bei unserem Bootsmann Karim und Endrik, unserem Führer, für Kopfschütteln sorgt. Beim Anblick unterschiedlichster Vögel geraten sie schon eher in Verzückung: da gibt es einige Arten von Eisvögeln, Reiher, Marabus, Bienenfresser, Störche. Zum Sonnenuntergang geht es auf eine kleine Sandbank inmitten des Flusses.

Sonnenuntergang auf der Sandbank

Malaria am Morgen

Für eine Safari muss man früh aufstehen. Auch wenn das normalerweise nicht so unser Ding ist, hieven wir uns beizeiten aus dem Bett. Benson hat uns ein wunderbares Frühstück gemacht. Als wir uns gerade die Rühreier reinschaufeln kommt unser Fahrer zerknirscht an: Er hat Malaria! Dabei sei jetzt gar keine Saison, meint er. Aber die Krankheit kann noch bis zu sechs Monate nach dem Stich ausbrechen. Deswegen ist man z.B. nach Rückkehr von einer Reise in ein Malariagebiet in Deutschland sechs Monate beim Blutspenden gesperrt. Unser Fahrer hat jetzt jedenfalls die Diagnose und Medikamente. Was er braucht, sind ein paar Tage Ruhe. Deswegen kann er die geplante Safari leider nicht machen. Doch die Menschen hier sind gut vernetzt und lösungsorientiert, und so hat er bereits für Ersatz gesorgt. Der junge Endrik, der am Vortag die Bootstour mit uns gemacht hat, wird uns durch das Selous-Wildschutzgebiet fahren.

Nur 10% des riesigen Selous sind für Safaris offen, das wird als die „photographic zone“ bezeichnet. Die restlichen 90% sind in 42 Jagdzonen gegliedert. Hier kann man für zum Teil fünfstellige Beträge Löwen, Elefanten, Büffel oder Geparden jagen. Das Fleisch der Tiere wird der Bevölkerung der angrenzenden Dörfer geschenkt. Der Jäger darf nur eine Trophäe behalten. Elfenbein-Handel ist verboten. Die Einnahmen (die Parks in Tansania sind verpflichtet Gewinne zu erwirtschaften) bleiben zu 50% dem Park, die anderen 50% müssen an die Regierung abgegeben werden. Deswegen sind die Eintrittsgelder für die Nationalparks und Wildschutzgebiete hier zum Teil enorm.

Endlich Safari

Nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg. Wir haben den Geländewagen ganz für uns allein, obwohl wir keine sogenannte „private Safari“ gebucht haben. Vom Hippo Camp sind es gut 15 Minuten bis zum Parkeingang. Endrik erledigt dort die Formalitäten, während wir die letzte Chance des Tages auf eine Toilette nutzen.

Der Eingang zum Selous-Wildreservat

"unser" Safarijeep

Dann geht es endlich los. Vier Jahre nach unserer Südafrika-Reise, während der wir im Krüger-Nationalpark und in einigen privaten Wildschutzgebieten auf Safari waren, geht es wieder in die afrikanische Wildnis. Ein leichtes Kribbeln macht sich breit. Die Atmosphäre ist wie elektrisch angespannt. Wir sind richtig aufgeregt, schließlich kann ab jetzt hinter jedem Busch ein wildes Tier lauern! Doch zunächst genießen wir den Blick vom Hang über die morgendliche Flusslandschaft.

Blick auf das Rufiji-Flussystem

Langsam führt der Weg abwärts bis an den Rand des Rufiji-Flusses, wo jede Menge Nilpferde, Krokodile und (Wasser-)Vögel auf uns warten. 

So viele Krokodile wie im Selous haben wir noch nie gesehen. Die meisten liegen faul an den Ufern des Rufiji herum. Einige flüchten vor uns ins schützende Wasser. Andere sehen wir schwimmend und halb verborgen.

Die kleinen und großen Vögel bevölkern das Wildreservat so vielfältig wie keine andere Gattung. Besonders an den Ufern des großen Flusssystems sehen wir ein paar prächtige Exemplare wie den Schrei-Seeadlern beim Fressen, Nilgansküken oder einige knallfarbige Exemplare der kleinen Eisvögel.

Die Landschaft wird geprägt durch die imposanten Schirmakazien, die den Tieren in der Mittagshitze Schatten spenden.

Schirmakazien schmücken das Selous-Reservat.

Schirmakazien schmücken das Selous-Reservat.

Zwei umgefallene Schirmakazien rahmen eine dritte.

Zwei umgefallene Schirmakazien rahmen eine dritte.

Gelegentlich sehen wir einen Affenbrotbaum, der sonst eher im Norden des Landes vorkommt.

Gelegentlich sehen wir einen Affenbrotbaum, der sonst eher im Norden des Landes vorkommt.

Dominik und Endrik sehen sich die stachelige Pfeifenakazie genau an.

Dominik und Endrik sehen sich die stachelige Pfeifenakazie genau an.

Die stachelige Pfeifenakazie von Nahem

Wir sehen viele Antilopen und Gazellen, Massai-Giraffen und Steppenzebras, Streifengnus und Kaffernbüffel, und natürlich die durch den „König der Löwen“-Film so bekannt gewordenen Warzenschweine – Pumbas 🙂 

"Pumba" wie aus dem Bilderbuch

„Pumba“ wie aus dem Bilderbuch

Weil ihr Hals zu kurz ist, müssen die Warzenschweine zum Fressen in die Knie gehen.

Weil ihr Hals zu kurz ist, müssen die Warzenschweine zum Fressen in die Knie gehen.

Unter unseren Augen erstarrt steht die Warzenschweinfamilie auf verbrannter Erde.

Unter unseren Augen erstarrt steht die Warzenschweinfamilie auf verbrannter Erde.

Mit antennenartig aufgestelltem Schwanz nehmen die beiden reiß aus.

Mit antennenartig aufgestelltem Schwanz nehmen die beiden reiß aus.

Wir haben Glück und bekommen im Selous einige Große Kudus zu Gesicht. Impalas gibt es so viele, dass wir spätestens am zweiten Safari-Tag nicht mal mehr dafür anhalten…

Auch von der Massai-Giraffe sehen wir viele Exemplare in allen Größen. Das Haarkleid der Männchen, die bis zu 6m groß werden, ist dabei viel dunkler gemustert als das der Weibchen. Bei dieser Giraffenart hat jedes Individuum seine ganz eigene Fellzeichnung.

Die Büffel sehen wir in großen Herden durch den Park ziehen. Sie gehören zu den berühmten „Big Five“ der afrikanischen Großwildjagd, weil sie besonders schwer zu erlegen sind und oft erbittert bis in den Tod kämpfen.

Den Streifengnus hingegen wird keine übermäßige Intelligenz nachgesagt, weil die Herden oft grundlos in alle Himmelsrichtungen auseinander laufen, werden sie von den Einheimischen liebevoll „zero brains“ (Null-Gehirn) genannt. Auch von den Zebras werden sie bei Gelegenheit ausgetrickst: wenn diese zusammen unterwegs sind und die schlaueren Zebras eine Gefahr wittern, bleiben sie stehen und geben vor zu grasen. Die dummen Gnus ziehen weiter und laufen dem Feind direkt in die Arme. Ob das so eine gewinnbringende Kooperation ist?!

Nach Elefanten müssen wir eine ganze Weile suchen. Dabei war der Bestand im Selous mit 65.000 Tieren (2010) einmal einer der größten weltweit. Doch durch massive Wilderei wurde dieser innerhalb von fünf Jahren auf nur 10.000 Tiere (2015) reduziert. Seit 2014 ist das Selous-Wildreservat auf der Roten Liste der gefährdeten Welterbe.

Einige Löwen sehen wir auch, meistens schlafend, gern in ihrem natürlichen Lebensraum – dem Unterstand 😉 Zu den Löwen geht es einen unheimlich ruckeligen Weg entlang. Endrik nennt das „African bush massage“.

Nashörner gibt es so gut wie keine mehr. Auch Geparden oder Leoparden bekommen wir nicht zu Gesicht. Und obwohl der Bestand an afrikanischen Wildhunden in Selous der größte des ganzen Kontinents ist, haben wir auch bei Ihnen kein Glück – ist eben kein Zoo.

Unterwegs mit Didi – willkommen im Zirkus

Ein Höhepunkt ist unsere „Walking Safari“ am letzten Morgen, bevor es zurück nach Dar geht. Sie startet um 6 Uhr im Hippo Camp und unser Führer ist Didi der Buschmann. „I am Didi and you can ask me aaaaaanything! Didi, what kind of plant is this?! Or: Didi, what sort of animal tracks are these?“ Didis Engagement ist nicht zu übertreffen. Das fängt schon beim Buschmann-Outfit (nur ein Lendenschutz, während er sich am ganzen Körper mit heller Tarnfarbe eingerieben hat) an und endet als er seinen Finger beherzt erst in einen Haufen Elefantenkacke, dann in den Mund steckt, um zu ermitteln, wann genau der Elefant hier war („two hours ago“). Aus Elefantendung baut er sich Zigaretten oder nimmt die Haufen in beide Hände und wringt ihn beherzt über seinen Mund gehalten kräftig aus: Buschmann-Überlebenstechnik. Die Flüssigkeit, die aus dem Haufen kommt, trinkt er („enthält 21 Kräuter“)! Scheint zu funktionieren: Er sieht sehr gesund aus.

Didi verabschiedet sich mit einem Lied. Seine klare Stimme weckt die letzten schlafenden Tiere im Busch. Ein Mann mit vielen Talenten.

 

Diese Tiere haben wir gesehen

Immerhin drei von den „Big Five“: Löwen (übrigens ist das Swahili-Wort für Löwe: Simba!), Elefanten und afrikanische Kaffernbüffel. Von Nashörnern und Leoparden leider keine Spur (mehr). Dafür jede Menge andere große und kleine Tiere: Flusspferde (sehen „niedlich“ aus, sind aber hochgefährlich), Krokodile, Massai-Giraffen, Warzenschweine, Steppenzebras (da haben wir die Frage diskutiert: ist die Grundfarbe von Zebras weiß oder schwarz?!), Zwergmangusten (darüber hatten wir gerade am Vorabend eine Dokumentation geschaut, weshalb wir besonders glücklich waren, dass wir einen kleinen Clan dieser possierlichen Tiere entdeckten), Eichhörnchen und Termiten (fungus-growing termites).

Böcke & Hornträger: Imapalas, Kudus, Wasserböcke, Cokes Kuhantilopen (Coke’s hartebeest), Elenantilopen, Dik-diks, Thomson-Gazellen, Roststirngazellen, Streifengnus.

Affen: Grüne Meerkatzen (vervet monkeys), Paviane (Steppenpaviane – yellow baboons, Anubispaviane – olive baboons), Mantelaffen, Buschbabys (galago, Halbaffe), schwarz-weiße Stummelaffen (black-and-white colobus)

Vögel: Eisvögel (Haubenzwergfischer, Riesenfischer, Graufischer, Braunkopfliest), Bienenfresser, Störche (z.B. Marabu, afrikanischer Nimmersatt), Reiher, Hammerköpfe (Flughund), Nilgänse (Egyptian goose), Schreiseeadler (African Fish Eagle), Gaukler (Bataleur eagle), Ibis, Gabelracken (lilac breasted roller), Rotwangenhornrabe (Southern ground hornbill), Geier (Palmgeier u.a.), Helmperlhuhn, Blaustirn-Blatthühnchen (African jakarna)

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2 Kommentare zu “Selous-Wildreservat: Malaria, wilde Tiere und Didi der Buschmann

  1. Kathrin

    Wow, genial!!! So viele tolle Tiere 🙂 Ich glaub ich muss auch ganz dringend mal wieder auf Safari gehen. Tansania wandert jetzt jedenfalls ganz nach oben auf meine Liste 🙂

    1. ClaudiaClaudia Autor des Beitrags

      Hi Kathrin,
      Tansania ist für Safari wirklich ein perfektes Land, auch wenn die Preise leider ganz schön happig sind… Neben Selous gibt es dort ja noch den Serengeti-Nationalpark und den Ngorongoro-Krater mit der größten Löwendichte der Welt. In der Serengeti zur großen Tierwanderung zu sein, wenn 1,7 Mio. (!!!) Gnus, 250.000 Zebras und 500.000 Gazellen vorbeiziehen muss unfassbar beeindruckend sein.
      Lg Claudia

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