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Unfall im Ausland: wenn der Ernstfall Wirklichkeit wird

Als dieser Artikel entstanden ist, lag Laura vom Reiseblog placeless gerade mit einer angebrochenen Wirkbelsäule in einem kambodschanischen Krankenhaus. Angebrochen, weil sie eine starke Welle auf einem kleinen Boot den Halt gekostet hat. Die kleine Hündin „Piraten Prinzessin Bonnie“, die sie dabei im Arm hielt, hat sie nicht losgelassen. Deswegen ist sie ungebremst auf ihre Wirbelsäule gekracht. Vom Krankenhausbett aus hat sie uns ihre Geschichte erzählt und uns verraten, wie sich ihre Krankenversicherung in dieser Situation verhalten hat. 

Unfall im Ausland – Interview mit Laura (placeless)

 

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Wie man hier sieht, hat Laura ein Herz für Hunde.

Was ist passiert?

Ich bin ja seit einiger Zeit in Kambodscha auf Koh Rong und habe viele Menschen und Tiere hier in mein Herz geschlossen. Unter anderem auch die wundervolle Piraten Prinzessin Bonnie. Die wurde krank und musste dringend zum Arzt, also hab ich sie mir geschnappt, bin mit ihr aufs Boot und wollte aufs Festland.

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Eine Seefahrt, die ist lustig… und manchmal auch nicht. Das Meer war sehr aufgewühlt und ich war damit beschäftigt, das kleine Welpenbaby „Piraten Prinzessin Bonnie“ vor dem Meerwasser und dem Wind zu schützen. Da kam auch schon eine riesige Welle und ließ mich vom Sitz hüpfen. Ich hielt meine Prinzessin fest, nicht aber mich selbst. Ich flog also mit voller Wucht wieder zurück auf den Sitz und mein Rücken fing den Aufprall ab.

Also ab ins Krankenhaus.

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Dort war ich so glücklich mit meinen Medikamenten und hatte keine Schmerzen, sodass ich sicher war, dass ich kein CT brauchte. Hab mich überreden lassen, zum Glück. Kostenpunkt: 300 Euro. Ergebnis: angeknackste Wirbelsäule (Frakturen in der Wirbelsäule). Aber, es hätte weitaus schlimmer sein können! 

Erste Hilfe: Wie verlief die „Rettung“?

Touristen haben mir geholfen, denn zunächst lag ich einfach nur hilflos am Pier. Sie riefen Freunde für mich an, die mich dann einsammelten, mich ins beste Krankenhaus der Region brachten und sich um alles kümmerten. Diesen Menschen bin ich zutiefst dankbar, denn ich hatte noch nie in meinem Leben solche schmerzen und war zeitgleich so hilflos. Die Krankenversicherung rief ich erst später aus dem Krankenhaus an, daher waren die zu diesem Zeitpunkt noch nicht involviert. Meine Engel waren also zunächst einfach mal herzensgute menschen, die sich um mich kümmerten!

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Wie ging es weiter?

Nachdem die CTs und Röntgen gemacht wurden, war klar, dass ich im Krankenhaus bleiben muss, das war dann auch der Zeitpunkt, zu dem ich meine Auslandsversicherung angerufen habe. Ich war auf Morphium, daher war das Gespräch mit mir wohl ziemlich lustig. Der Herr von der 24h-Notfall-Hotline war superfreundlich und hat nur das Nötigste abgefragt und gesagt, wir können morgen erneut telefonieren, wenn ich den ersten Schock überwunden habe.

Die Versicherung übersendete unverzüglich nach dem Telefonat Datenblätter an das Krankenhaus, mit der Bitte um notwendige Unterlagen, sowie ein Schreiben an mich, denn sie brauchten eine Bescheinigung meines Flugtickets (wann und wohin ich Deutschland verlassen hatte) und die Versicherungsnummer etc. Montags kam ich ins Krankenhaus, mittwochs lag dann die Kostenübernahme vor, bereits am Telefon wurde mir jedoch vorher versichert, dass die Kostenübernahme vor allem Papierkram sei und ich mir keine Sorgen machen müsse – das war sehr erleichternd, denn ich hatte ja andere Sorgen.

Gespräch mit der deutschen Ärztin

Nach ein paar Tagen rief mich bereits eine deutsche Ärztin an, die nach meinem Wohlbefinden fragte und sich ganze 45 Minuten am Telefon Zeit nahm, all meine Bedenken, Fragen und Ängste mit mir durchzugehen. Außerdem erklärte sie mir noch einmal die Diagnose und das mögliche weitere Vorgehen, Folgeschäden etc. Die deutsche Ärztin, sowie der Arzt vor Ort im Krankenhaus entschieden gemeinsam, dass es sinnvoll sei, mich zeitnah nach Deutschland zu transportieren. 

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Rücktransport nach Deutschland

Zu Beginn war ich jedoch nicht transportfähig und der Termin wurde von meinem Wohlbefinden und der ärztlichen Einschätzung abhängig gemacht. Der tatsächliche Rücktransport findet nun am 7.2.2017 statt, der Unfall war am 23.1.2017. Tatsächlich kommen für den Rücktransport, aufgrund der Schwere meiner Erkrankung, eine deutsche Ärztin sowie ein Rettungsassistent nach Kambodscha eingeflogen, sodass sie mich den kompletten Weg von Kambodscha nach Deutschland begleiten. Ein Flug für mich wurde in der Business-Klasse organisiert, denn die gesamte Strecke aufrecht zu sitzen wäre für mich nicht möglich. Die Krankenversicherung hat mich, bevor ich dem Rücktransport zustimmte, auch von sich aus darauf hingewiesen, dass ich die Kosten selber tragen müsse, sofern die Ärzte nicht der Meinung wären, dass ich in Deutschland erneut stationär (was bei mir allerdings klar war) aufgenommen werden müsste. Man hat mich also zu keinem Zeitpunkt mit irgendetwas im Dunklen gelassen.

Gute Versorgung in Kambodscha

Die gesamte Zeit über war ich in einem komfortablen Einzelzimmer mit Klimaanlage, Fernseher, warmem Wasser (was in Kambodscha nicht so üblich ist) untergebracht. Die Versorgung durch Krankenschwester und Ärzte war super, die Krankenversicherung war außerdem 24 Stunden zu erreichen, absolut freundlich zu jeder Zeit. Einmal rief ich dort an, ohne an die Zeitverschiebung zu denken. Es war nachts 3 Uhr in Deutschland, um mich nach dem Termin nach dem Rücktransport zu erkundigen, denn ich konnte nicht schlafen und man ging mit mir alles noch einmal durch.

Alle Versprechungen und Zusagen wurden stets eingehalten, und man hat mich niemals auf Informationen warten lassen. Ich könnte mir keinen besseren Versicherer wünschen und hatte zu jedem Zeitpunkt das Gefühl, dass die Versicherung nicht nur zu ihrem Besten, sondern tatsächlich zu meinem Besten handelte.

Wie hat dich die Hanse Merkur unterstützt?

Superschnell, superhilfreich. Die deutsche Ärztin hat mir geholfen die Situation besser zu verstehen und auch die Diagnose. Alle Fragen wurden stets super schnell geklärt. Organisatorisch war alles einfach, man nahm mir so viel wie möglich ab und versuchte das Meiste direkt mit dem Krankenhaus zu klären, da ich häufig starke Schmerzmittel bekam, und es nicht immer einfach war für mich einen klaren Kopf zu behalten. Die Kostenübernahme ging problemlos, allerdings war zum Zeitpunkt, als ich die Versicherung informierte, auch schon klar, dass ich eine starke Fraktur der Wirbelsäule mit mir rumtrage 🙂 

Wie war die Behandlung vor Ort?

Ich habe mich gefühlt, als wäre ich perfekt versorgt. Bis zu dem Zeitpunkt, als ich das erste Mal mit der deutschen Ärztin telefonierte, die mir alles noch einmal erklärte. Mir wurde dann bewusst, dass ich möglicherweise bessere medizinische Versorgung in Deutschland erhalten könnte, auch um Folgeschäden vorzubeugen. Zum Beispiel wird hier in Kambodscha auf Thrombosespritzen verzichtet. Ebenso stand mir kein Physiotherapeut zur Seite, um mir zu zeigen, wie ich mich am besten bewegen solle (richtig aufsetzen etc.), was sehr wichtig für mich ist, da ich aktuell recht „zerbrechlich“ bin. Das Krankenhaus in Kambodscha war stets für mich da, die Krankenschwestern waren immer erreichbar und haben mich absolut wunderbar betreut. Regelmäßige Checks und Hilfe bei nahezu allem, waren ohne Nachfrage immer gegeben. Das war auch wichtig, denn in den ersten Tagen konnte ich nicht alleine Laufen oder auch nur das Bett verlassen um ins Bad zu gehen. 

Das technische Equipment um eine Diagnose zu machen war da, ich befinde mich allerdings auch in einem der besten Krankenhäuser der gesamten Region, welches vorwiegend von Ausländern besucht wird, da es für Einheimische nahezu unerschwinglich ist. Ich war in der glücklichen Lage, dass ich einige Menschen kenne, die schon lange hier leben und mich daher direkt hierher gebracht haben, in dem Wissen, dass ich hier die beste Versorgung erhalte.

Wie schnell war klar, dass du nach Deutschland musst?

Nach etwa 4 oder 5 Tagen habe ich diese Entscheidung letztendlich gemeinsam mit den Ärzten und meinen Eltern getroffen. Ich möchte eigentlich nicht zurück, werde aber so lange, wie es für meine Gesundheit notwendig ist, in Deutschland bleiben. 

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Wie lange hat es dann gedauert, bis der Rücktransport organisiert war? 

Der Rücktransport war abhängig von meinem gesundheitlichen Zustand, daher war es nicht so einfach für die Versicherung alles schnell zu organisieren, denn niemand wusste ja, wie es mir morgen gehen würde. Nachdem ich dann alles mit meiner Versicherung in Deutschland geklärt hatte (was nicht so einfach war, danke an Mama und Papa), konnte der Rücktransport dann final organisiert werden. Denn auch die Fluggesellschaften müssen diesen Krankentransport erst einmal bestätigen und brauchen ein paar Tage Vorlauf vor dem Flug.

Wie lange wird die Behandlung in Deutschland dauern? Wie geht’s danach für dich weiter?

Ich habe absolut keine Ahnung. Wenn es nach mir geht, dann sitze ich in 2 Wochen wieder im Flieger und gehe hinaus in die Welt. Ich werde aber keine voreiligen Entscheidungen treffen, denn das Letzte, was ich möchte, ist ein Leben lang Schäden an meiner Wirbelsäule zu haben. Ich muss meine Weltreise also erst einmal unterbrechen, habe keine Lust auf Deutschland, freue mich aber auf Familie und Freunde. Dennoch, ich bin sehr traurig, das wundervolle Kambodscha verlassen zu müssen. Allerdings wollte ich immer mal Business fliegen, wenn auch lieber unter anderen Umständen 😉

Wie einfach war es, wieder von der Gesetzlichen Krankenversicherung aufgenommen zu werden?

Das mit der Barmer GEK war zugegebenermaßen nicht so einfach und hat mich ein paar schlaflose Stunden gekostet. Nachdem klar war, dass ein Rücktransport stattfindet, musste die Versicherung in Deutschland bestätigt werden. Ich hatte vor Abflug dort Bescheid gesagt, und sie hatten mir mündlich gesagt, dass ich bei der Rückkehr nach Deutschland einfach reinkommen solle und sie versichern mich wieder. Hatte mich darüber gewundert, war aber auch einfach froh, dass alles so reibungslos lief. Als mein Dad dann letzte Woche dort anrief, war es auf einmal nicht mehr so einfach. Meine Eltern haben sich dann dahinter geklemmt und auch mehrfach mit dem Beschwerdeservice sprechen müssen. Letztendlich hat aber alles geklappt. War halt nur nicht so einfach. Rückwirkend wäre eine Anwartschaft sinnvoller gewesen. 

Was würdest du nächstes Mal anders machen?

Ich würde eine Anwartschaft beantragen, auch wenn die freundlichen Menschen bei der Versicherung mir sagen, es sei nicht notwendig. Ist es ja offensichtlich doch.

Ansonsten würde ich beim nächsten mal ein anderes Boot nehmen 🙂 

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Was war die schlimmste / beste Erfahrung dabei?

Die schlimmste Erfahrung war definitiv der unglaubliche körperliche Schmerz und zugleich die Ungewissheit, was tatsächlich mit meinem Körper passiert ist und nicht zu wissen, warum ich gerade nicht mehr normal laufen kann. 

Die beste Erfahrung war die Unterstützung, die mir die Menschen hier vor Ort, die mich erst wenige Monate kennen, entgegen gebracht haben. In den ersten sieben Tagen waren Tag und Nacht diese wundervollen Menschen bei mir in der Klinik und standen mir bei Menschen wie du und ich, Menschen die gerade erst frisch in einem fremden Land meine Freunde geworden waren. Ich bin zutiefst dankbar. Natürlich auch für die Menschen, die mir aus der Ferne mental so beistanden. Es ist unbeschreiblich solche Unterstützung zu erhalten.


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Laura vom Reiseblog placeless hat diesen Bericht von ihrem Krankenhausbett in Kambodscha geschrieben und all unsere Fragen trotz starker Schmerzen beantwortet. Sie wurde am 7.2.2017 nach Deutschland zurück transportiert. Bereits am 20.3.2017 hat sie Deutschland wieder verlassen und ihre Reise in Asien fortgesetzt.

Die Eckdaten zu Lauras Auslands-Krankenversicherung, sieben weitere Erfahrungsberichte und viele Tipps zum Thema findet ihr in unserem Artikel „Krankenversicherung auf Langzeitreisen im Ausland“.

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