Streetart und Graffiti in Deutschland: die 16 reizvollsten Städte für Urban-Art-Fans

Das erste Mal ist mir Streetart als urbane Kunstform 2015 in der Altstadt von Panama City bewusst aufgefallen. Seitdem liebe ich es, mich vor meiner eigenen Haustür und auf Reisen auf die Suche nach jenen alternativen Vierteln zu machen, in denen Streetart und Graffiti zu finden sind. Und damit bin ich nicht allein: Viele Reiseblogge:rinnen, die meine Begeisterung für urbane Kunst teilen, haben mir für dieses Round-up ihre liebsten deutschen Streetart-Städte mit konkreten Artspots verraten. Von riesigen Murals über kleine Paste-ups bis zu ganzen Streetart-Festivals ist alles dabei. Ihre Tipps zeigen auch, wie unterschiedlich Streetart in deutschen Städten ausgeprägt ist und wie stark jede Stadt ihre ganz eigene Szene entwickelt hat. Geordnet sind die Tipps geografisch von Nord nach Süd.

Streetart in Deutschland auf einen Blick

Von Hamburg bis München: Unsere Streetart-Reise führt einmal quer durch Deutschland. Die Karte zeigt dir, welche Städte wir vorstellen und wo sie liegen.

Die 16 Streetart-Städte des Round-ups verteilen sich von Norddeutschland bis nach Bayern. Die Karte wurde mit KI erstellt.

Hamburgs Streetart: von S wie Schanze bis zu XXL-Murals in Harburg

„Freak“ am Millerntor-Station St. Pauli von der lokalen Streetart-Legende Rebelzer.

Streetart findest du in Hamburg nicht an einem einzelnen Ort. In der Schanze, im Karoviertel und auf St. Pauli lohnt es sich, durch Seitenstraßen, Parkhäuser und Hinterhöfe zu streifen und nach Graffiti (z.B. von OZ), Paste-ups (z.B. von Lokalmatador Tona), Styrocuts von der Push-Crew (z.B. in der Karolinen-Passage) oder Stickern (z.B. in der Rosenhofstr.) Ausschau zu halten. An der besetzten Roten Flora im Schulterblatt findest du vor allem Graffiti. Zusammen mit dem Gängeviertel lassen sich diese zentralen Viertel prima zu einem längeren Streetart-Spaziergang verbinden. Starte dafür an der Bahnstation Sternschanze. 

Ganz anders ist Mümmelmannsberg, weit im Hamburger Osten. Zwischen massiven Wohnblöcken verteilen sich mehr als 150 eher kleine und mittelgroße Werke, darunter Tiermotive von DZIA (z.B. auf dem Platz hinter der Feiningerstr.) und die orangefarbenen BEANS von Dave the Chimp (Feinigerstr.). Mit der interaktiven Streetart-Rallye entdeckst du Artspots, die du sonst garantiert übersehen würdest. Mit der Rallye kannst du gut an der U-Bahn-Station Mümmelmannsberg starten. “Mümmelmann” ist übrigens ein Synonym für Hase :)

Für XXL-Murals solltest du dagegen ganz in den Süden Hamburgs nach Harburg fahren. Das Projekt Walls Can Dance hat dort mehr als 25 Hausfassaden gestaltet. Zu meinen Favoriten gehören „Whale Watching“ von Nevercrew am Harburger Ring 17, Millos „Welcome“ am Wallgraben 48 und das herrlich schräge „Krakenmädchen aus dem Norden“ von Bernd Muss am Wall 13. Eine kostenlose Mural Map hilft bei der Orientierung. Es gibt aber auch regelmäßig geführt Mural Walks.

Meinen ausführlichen Guide zu Streetart in Hamburg verlinke ich hier, sobald er online ist. Alle Artikel über meine Heimat Hamburg findest du hier.

Dieser Streetart-Tipp ist von Claudia von Weltreize. Schön, dass du schon hier bist ♥


Bremen: Wem gehört die Stadt?

Bronzeskulptur eines gebeugten Obdachlosen mit Einkaufswagen in den Bremer Wallanlagen bei tief stehender Nachmittagssonne.
Der „Bremer Banksy“ in den Wallanlagen: Die tief stehende Nachmittagssonne setzt die geheimnisvolle Bronzeskulptur eindrucksvoll in Szene.

In vielen Städten dominieren inzwischen großformatige Auftragsarbeiten die Streetart-Szene. Im Bremer „Das Viertel“ (kurz 1/4) rund um Ostertor und Steintor findest du dagegen noch erstaunlich viele illegale Graffiti, Sticker, Stencils, Paste-ups und andere Interventionen im öffentlichen Raum. Bei der Tour „Gesprüht, geklebt, gehäkelt“ mit der Bremen Lotsin Katharina habe ich gelernt, genauer hinzuschauen, und mich mit der Frage zu beschäftigen: Wem gehört eigentlich der öffentliche Raum?

Los geht es am Theater am Goetheplatz (Ostertorsteinweg 58). Besonders ergiebig ist die wild verwürstete Schildstraße. In der Mendestraße springt dir ein riesiger Tiger von Cokyone entgegen, „Am Doben“ findest du gleich mehrere große Murals, darunter einen gleichermaßen farbenfrohen und filigranen Kolibri. Weitere Entdeckungen sind der Pinguin „Beim Paulskloster“, eine Eislandschaft in der Mittelstraße und das mittelgroße „Hood“-Mural am Eingang zur Weberstraße.

Spannend fand ich auch die ungeschriebenen Regeln der Graffiti-Szene, die Katharina uns auf der Tour erzählt hat:

  1. keine historischen Gebäude und Einfamilienhäuser besprühen und
  2. fremde Arbeiten nur übermalen (crossen), wenn man es besser kann.

Natürlich halten sich bei Weitem nicht alle daran. Wenn du in Bremen bist, solltest du unbedingt noch einen Abstecher in die Wallanlagen machen: Dort steht seit 2020 die ursprünglich illegal aufgestellte Bronzeskulptur eines Obdachlosen mit Einkaufswagen, ein Werk des anonymen „Bremer Banksy“. Auch das ist Streetart.

Meinen ausführlichen Bremen-Guide findest du hier: Insidertipps für einen perfekten Tag #90 in: Bremen.

Dieser Streetart-Tipp ist von Claudia von Weltreize. Schön, dass du schon hier bist ♥


Berlin: wo Streetart nie auserzählt ist

Streetart am Haus Schwarzenbek in Berlin-Mitte
Streetart am Haus Schwarzenbek in Berlin-Mitte

Ich lebe in Berlin und entdecke selbst nach vielen Jahren noch neue Streetart. Besonders mag ich die Mischung aus riesigen Murals und kleinen Arbeiten, die erst beim zweiten Hinsehen auffallen. Ein guter Startpunkt ist das Haus Schwarzenberg in der Rosenthaler Straße 39: Im Hinterhof findest du Graffiti, Sticker und Paste-ups dicht nebeneinander, darunter ein Anne-Frank-Porträt von Jimmy C.

In Kreuzberg beeindruckt mich der riesige „Astronaut/Cosmonaut“ von Victor Ash an der Oranienstraße 195, gut zu sehen von der Mariannenstraße. In Friedrichshain lohnt sich außerdem die East Side Gallery an der Mühlenstraße: Auf dem längsten erhaltenen Abschnitt der Berliner Mauer schufen Künstler:innen aus aller Welt mehr als 100 Wandbilder, viele davon mit politischen und gesellschaftskritischen Motiven. Etwas touristisch, aber auf jeden Fall sehenswert.

Noch einmal anders fühlt sich der Teufelsberg an: Die ehemalige Abhörstation (Teufelsseechaussee 10) verbindet Streetart mit Berliner Geschichte und einer weiten Aussicht. Ich war inzwischen dreimal dort und habe jedes Mal Neues entdeckt.

Wenn Du mehr über Künstler:innen und Techniken erfahren möchtest, lohnt sich eine geführte Tour. Weitere Orte und meine Tipps findest Du in meinem Beitrag über Streetart in Berlin.

Dieser Streetart-Tipp ist von Mandy: Auf Mandys Abenteuerwelt schreibt sie über ihre eigenen Reisen und teilt ehrliche Erfahrungen, praktische Tipps und Ideen für die nächste Städtereise. 

Berlin: Artpark Tegel und die ganz große Kunst an den Hochhäusern

Zwei Murals an Hochhäusern im Artpark Tegel in Berlin
Riesige Murals an Hochhäusern im Artpark Tegel in Berlin

Kunst in Berlin begegnet uns ja gefühlt an jeder Straßenecke. Aber als ich am Tegeler See unterwegs war, hat mich der Artpark Tegel (Neheimer Str. 4) wirklich beeindruckt. Seit 2015 haben internationale Künstler:innen hier acht tristen Hochhausfassaden in der Neheimer Straße neues Leben eingehaucht, mit bis zu 42-m-hohen Meisterwerken!

Besonders angetan hat es mir „The Starling“ von Collin van der Sluijs und Super A. Dieser riesige Star mit seinem leuchtend blauen Federkleid schaut einen von seiner Hauswand so realistisch an, dass man sich fast ertappt fühlt. Etwas schwerer tat ich mich dagegen mit dem Werk „Tiptoes“ der Zwillinge How und Nosm – hier brauchte ich wirklich einen Moment, um das surreale Wesen in dem wuseligen Bild überhaupt zu entdecken.

Mein absoluter Favorit für die gute Laune ist ganz klar das Mural von London Police. Die unzähligen kleinen Smileys strahlen so viel unbeschwerte Fröhlichkeit aus, dass man unweigerlich mitlachen muss. Ohne große Analysen hat mich dieses Bild sofort erreicht. Wenn du in Berlin bist, schau dir diese gigantische Open-Air-Galerie unbedingt selbst an! Am besten erreichst du den Artpark aktuell mit dem Bus, z. B. mit der Linie 133 bis Neheimer Straße oder Kamener Weg. Tipps dazu findest du in meinem Beitrag über den Artpark Tegel.

Dieser Streetart-Tipp ist von: Susanne. Sie ist leidenschaftliche Reisende aus Berlin und das Gesicht hinter den Online-Reisemagazinen „Von Ort zu Ort reisen“ und „From place to place travel“. Gemeinsam mit ihrem Mann Patrick teilt sie ihre weltweiten Erlebnisse gezielt mit einer Community, die sie selbst am besten kennen und verstehen: der wachsenden Zielgruppe der Reisenden 40+.

Im Streetart-Round-up Europa ist sie außerdem mit ihren Tipps für Streetart in Łódź und Porto dabei.


Hannover: Streetart-Stadt unter dem Radar

Mural Krümelmonster und Bahlsen-Kekse
Mural Krümelmonster mit Bahlsen-Keksen – Graffiti Hannover

Hannover läuft als Streetart-Stadt ziemlich unter dem Radar. Dabei findest du hier nicht nur jede Menge Murals und Graffiti, sondern auch eine lebendige lokale Szene und gleich mehrere Streetart-Hotspots. Besonders ergiebig ist der Stadtteil Linden: Am Kulturzentrum Faust (Zur Bettfedernfabrik 3) stößt du unter anderem auf die „Alte Dame mit Kopftuch“ des Hannoveraner Künstlers Kartel. Rund um das unabhängige Jugendzentrum Glocksee und das Ihme-Zentrum gegenüber gibt es weitere Werke und legale Wände.

Zu meinen Lieblingsmurals gehört „Inside Yourself“ des Brasilianers Ramon Martins am Engelbosteler Damm 11. Sehenswert sind außerdem die „Blütenfrau“ von Lula Goce (Schmiedestraße 27) und das Hannah-Arendt-Mural von Bener1 und Kevin Lasner am Marktplatz 2 in Linden. Fast schon Graffiti-Geschichte ist die U-Bahn-Station Sedanstraße/Lister Meile, die 1995 unter anderem von den New Yorker Künstlern Lee, Daze und Crash gestaltet wurde. Reizend fand ich auch das Krümelmonster, das munter Buchstabenkekse futtert, am Hintereingang am Hinterhof des Bahlsen Werks in der Lister Str. 8B.

2026 löste das Glocke Graffiti Festival das frühere Urban Nature Festival ab. Außerdem bringt Hola Utopia! jedes Jahr internationale Streetart nach Hannover. Für deine eigene Tour helfen die Routen von Street Art Cities und natürlich mein ausführlicher Artikel: Streetart & Graffiti in Hannover: ultimativer Guide für die schönsten Murals und die besten Artspots.

Dieser Streetart-Tipp ist von Claudia von Weltreize. Schön, dass du schon hier bist ♥


Einbeck: Streetart trifft Fachwerk

Streetart Mural Herzog Erich von Sprühwerk in Einbeck
Kräftige Farben und viele versteckte Details: das sehr große Mural von Sprühwerk Hildesheim zeigt Herzog Erich mit dem Einbecker Bier. Prost.

Einbeck ist gerade wegen seiner Gegensätze eine reizvolle Streetart-Stadt: Zwischen jeder Menge historischer Fachwerkhäuser verstecken sich mehr als 60 Murals, viele davon entstanden durch das Streetart-Projekt Young Art und dessen Festival Streetart Meile (kurz SAM). Besonders mag ich die Tiedexer Höfe. Die Einfahrt gegenüber der Tiedexer Straße 30 führt in einen Hinterhof voller Streetart, unter anderem von BeNeR1, Scek, Hoker One, Bet und der eNVious Crew.

Noch versteckter sind fünf Vogel-Murals des Leipziger Künstlers Bet im Hinterhof am Pfänderwinkel 3. Einbeck selbst spielt ebenfalls immer wieder eine Rolle in den Motiven: Kartel erinnert mit seinem Mural in der Stadtgrabenstraße 27 an den Versandhändler und Fahrradpionier August Stukenbrok. An der Hullerser Mauer 2 porträtierte The Black Ape den Apotheker Friedrich Wilhelm Sertürner, der das Morphin entdeckte. Und Sprühwerk aus Hildesheim zeigt auf einem riesigen Mural Herzog Erich mit einem Glas Einbecker Bier.

Mein Tipp: Schau bei deiner Streetart-Suche unbedingt in die Hinterhöfe. Gerade dort verstecken sich einige der schönsten Werke. Meinen ausführlichen Guide findest du hier: Einbecks Straßenkunst: die 7 schönsten Spots für Fachwerk und Streetart.

Dieser Streetart-Tipp ist von Claudia von Weltreize. Schön, dass du schon hier bist ♥


Dortmund: Streetart vor der eigenen Haustür

Mural Wal in Dortmund
Wal-Mural von Denis Klatt in Dortmund

Ich lebe im Dortmunder Unionviertel, wo Streetart zwischen Wohnhäusern, Trinkhallen und Geschäften zum Alltag gehört. An meinem Wohnhaus befindet sich ein großes Mural, am Nachbarhaus ein Wal (Lange Straße 21) von Lokalmatador Denis Klatt, der zahlreiche Tiermotive im Ruhrgebiet verewigt hat.  

Ein guter Ausgangspunkt ist die 44309 Streetart Gallery, Rheinische Straße 16. Von dort lässt sich das Viertel zu Fuß erkunden. Besonders gern zeige ich das Werk der Italienerin Alice Pasquini an der Ecke Adlerstraße/Paulinenstraße. Ein weiteres Bild von ihr in der Langen Straße war lange Teil meiner Wege durchs Viertel, ist inzwischen aber durch den Abriss für einen Hotelneubau verschwunden.

Das gehört für mich zur Streetart in Dortmund: Die Bilder verändern den vertrauten Stadtraum, bleiben aber nicht für immer. So ging mit der Umgestaltung einer Pizzeria in der Rheinischen Straße zur Seelsorge auch eines meiner Lieblingswerke von Alex Senna verloren. Beide Künstler:innen sind mir später im STRAAT Museum in Amsterdam wiederbegegnet.

Wer im Unionviertel weitergehen möchte, findet an der Rheinischen Straße 25 Arbeiten des lokalen “Man kennt sich Collective” und an der Rittershausstraße 34 Werke von Tobias Kröger und Tomislav Topic. Für den Rundgang gibt es eine Streetart-Karte von 44309 PUBLIC//ART SPACE. Das ist eine 2017 gegründete gemeinnützige Initiative, die großformatige Murals im öffentlichen Raum Dortmunds realisiert und die Stadt so Schritt für Schritt in ein frei zugängliches Urban-Art-Museum verwandelt.

Dieser Streetart-Tipp ist von: Romy. Sie lebt im Dortmunder Unionviertel und schreibt auf snoopsmaus.de über individuelle Reisen, Kunst und Kultur sowie kulinarische Entdeckungen.

Für Weltreize hat Romy bereits den Artikel “Ein perfekter Tag #61 in: Dortmund” geschrieben. Im Streetart-Round-up Europa ist sie außerdem mit ihren Tipps für Streetart in Amsterdam und Mailand dabei.


Leipzig: Streetart & Graffiti zwischen Sub- und Industriekultur

Mural von Doppeldenk in Leipzig: Die Heilige Katharina rettet den Leipziger Löwen
Mural von Doppeldenk in Leipzig: Die Heilige Katharina auf dem Leipziger Löwen

Leipzigs Streetart-Szene ist eng mit der alternativen Szene der Stadt verbunden. Besonders in Plagwitz kannst du dich einfach treiben lassen: Im Bermuda-Dreieck nahe dem S-Bahnhof Leipzig-Plagwitz wechseln Graffiti und Murals ständig. Zu meinen Entdeckungen gehörten dort die Vögel des Leipziger Künstlers BET und die charakteristischen Katzen des früh verstorbenen Ralph Niese. Nur wenige Minuten entfernt findest du an der Antonienbrücke (Antonienstraße 59) eine Wall of Fame mit sechs legalen Graffitiflächen mit insgesamt rund 515 m2.

Auch das Westwerk (Karl-Heine-Straße 85-93) und die Alte Baumwollspinnerei (Spinnereistraße 7) verbinden Streetart mit alter Industriearchitektur. In Connewitz lohnt sich die Giebelwand an der Arno-Nitzsche-Straße 2 mit einem Gemeinschaftswerk von Uwe Arnold, BP Crew, HOR, PONEY und TEAM Crew.

Ein kleines Stück Streetart-Geschichte versteckt sich dagegen an der KarLi 7: Blek le Rats „Madonna mit Kind“ von 1991 (!!!) gilt als sein ältestes erhaltenes Stencil dieser Art und steht heute unter Denkmalschutz.

Meinen ausführlichen Guide findest du hier: Streetart und Graffiti in Leipzig: ultimativer Guide für die kreativsten Murals, die besten Artspots und alternative Orte.

Dieser Streetart-Tipp ist von Claudia von Weltreize. Schön, dass du schon hier bist ♥


Kassel abseits der documenta: wo die Straßen roh und bunt sind

Bildunterschrift: Streetart-Künstler Yongtak Choi hat den Meister des organisierten Kunst-Chaos, Joseph Beuys, mit feinsten Linien auf den rauen Außenputz gebrannt.
Streetart-Künstler Yongtak Choi hat den Meister des organisierten Kunst-Chaos, Joseph Beuys, mit feinsten Linien auf den rauen Außenputz gebrannt.

Als ich vor dem gewaltigen alten Hafenspeicher stehe, riecht der Wind nach feuchtem Asphalt und einem beißenden Hauch von frischem Sprühlack. Vergiss den elitären Fünf-Jahres-Zirkus der documenta. Kassel hat über 100 legale Großflächen, die das ganze Jahr knallen. Hier verkommt urbane Kunst nicht zur kommerziellen Instagram-Kulisse, sondern fungiert als echter sozialer Kitt für ehemals graue Quartiere.

Schau genau hin: An der nackten Betonwand (Am Hafen 13) starrt dich das 20-m-hohe Mural „A“ des Künstlers Sainer an. Melancholisch, surreal, postindustriell. Ein visueller Schlag in die Magengrube. Wenn du später durchs Schillerviertel streifst, hallen deine Schritte bis zur Erzbergerstraße.

Dort, direkt am ASB-Gebäude (Haus Nr. 18), wacht „Die Nachtwächterin“ von Greta von Richthofen mitsamt fliegenden Fischen über den Kiez. Und gleich um die Ecke in der Sickingenstraße 24 fixiert dich der documenta-Übervater unter seinem Filzhut aus dem markanten Porträt von Yongtak Choi.

Lokale Crews wie KolorCubes e. V. und Urbane Experimente reißen die Kunst in Kassel aus dem Museum und hämmern sie ungeschönt auf die Straße. Klingt nach orientierungsloser Suche? Weit gefehlt. Lad dir einfach die kostenlosen Audiowalks der cdw Stiftung via IZI.travel aufs Smartphone oder schnapp dir den gedruckten Guide „Street-Art to go“. Kopfhörer rein, abtauchen.

Und wenn du nach den bunten Fassaden noch mehr von der Stadt entdecken möchtest: Alle wichtigen Highlights, Geheimtipps und Klassiker für deinen Städtetrip findest du in meiner Übersicht zu den schönsten Kassel Sehenswürdigkeiten.

Dieser Streetart-Tipp ist von: Nicolo. Auf Nicolos Reiseblog schreibt er über individuelle Reisen mit einem besonderen Faible für Architektur, Kultur und kulinarische Entdeckungen. Dabei sucht er gerne nach ungewöhnlichen Orten und Geschichte(n) abseits der klassischen Sehenswürdigkeiten.

Im Streetart-Round-up Europa ist er außerdem mit seinen Tipps für Streetart in Belfast und Sofia dabei.


Wuppertal: Streetart-Geheimtipp in Nordrhein-Westfalen

Mural Identity von Medianeras in Wuppertal
Mural Identity von Medianeras in Wuppertal

Die Stadt an der Wupper hat sich in den vergangenen Jahren zu einer coolen Open-Air-Galerie entwickelt! Rund 50 großformatige Murals internationaler Künstler:innen verteilen sich inzwischen über verschiedene Stadtteile. Viele davon greifen lokale Themen auf, von der Schwebebahn über die Stadtgeschichte bis hin zur berühmten Wuppertaler Choreografin Pina Bausch.

Besonders viele und schöne Murals befinden sich im Stadtteil Elberfeld. Ein möglicher Spaziergang wäre über die Luisenstraße, die Bergstraße und die Hofaue (mit mehreren Werken wie von Medianeras, Nils Rva oder Guido v. Helten), weiter in die Friedrich-Ebert-Straße, an den Steinweg sowie rund um die Bergstraße und die Nordstadt. Auch in Richtung Arrenberg (z. B. Nützenberger Straße, Ernststraße) und im Stadtteil Heckinghausen findest du einige großartige Murals.

Ein Streetart-Festival in dem Sinne gibt es hier nicht, aber das Ganze läuft über das groß angelegte Projekt bzw. die kuratierten Editionen des Urbanen Kunstraums Wuppertal (UKW), der die internationalen Künstler:innen regelmäßig in die Stadt holt und so das Stadtbild Stück für Stück in eine Freiluftgalerie verwandelt. Wenn du die Werke gezielt ansteuern möchtest, findest du in der kostenlosen Mural-Tour-App Wuppertal unterschiedliche Streetart-Spaziergänge. Auch mit dem Fahrrad gibt es spezielle Mural-Routen durch den Westen und Osten Wuppertals.

Zu den spannenden Werken gehören für mich:

  • „Identity“ des Künstlerinnenduos Medianeras an der Hofaue 49, 
  • „Heimat“ von Case Maclaim in der Sonnborner Straße 13 und 
  • das Mural des niederländischen Künstlers Leon Keer am Kleeblatt 58, das mit riesigen Murmeln spielt.

Dieser Streetart-Tipp ist von: Karo. Auf ihrem Reiseblog Karodelmar teilt sie persönliche Reiseerfahrungen, besondere Orte und praktische Tipps für individuelle Reisen abseits der klassischen Tourist:innenpfade.

Im Streetart-Round-up Deutschland ist Karo mit ihren Tipps für Streetart in Mostar dabei.


Dresden: die wilde Seite der Barockstadt

Vollgesprühtes Bürosphäre-Haus in Dresden
Vollgesprühtes Bürosphäre-Haus in der Äußeren Neustadt in Dresden

Dresden ist eine Streetart-Metropole der zweiten Reihe: Denn im Schatten der weltberühmten barocken Altstadt entstehen hier jedes Jahr neue Murals und sehr politische Streetart. 

Das Herz der Streetart-Szene ist die Äußere Neustadt, Dresdens Kneipenviertel am nördlichen Elbufer und eines der größten zusammenhängenden Gründerzeitviertel Europas (!). Schon vor der Wende konnten sich in den abgeranzten Altbauten Freigeister und Hiphop-Fans der ersten Stunde austoben, mangels Spraydosen mit Pinsel und Farbe oder Filzstift. Heute schmücken die Brandmauern, Hauseingänge und Hinterhöfe des deutlich gentrifizierten Viertels zahlreiche groß- und kleinformatige Streetart-Kunstwerke von Dresdner und internationalen Künstler:innen, die du dir am besten auf einem geführten Rundgang von Nightwalk Dresden zeigen lässt. In die Äußere Neustadt startet man am besten am Albertplatz. Da fahren superviele Trams hin: Linien 3, 6, 7, 8, 11.

Auch in der angrenzenden Leipziger Vorstadt findet man an jeder Ecke lustige, politische und widerständige Paste-ups und Stencils. Artists wie Optic Ninja und Milchmann sind Dresdner Urgesteine, die zum Teil schon vor der Wende aktiv waren. Die Leipziger Vorstadt schließt direkt an die Neustadt an, hier ist der S-Bahnhof Bischofsplatz (Linie S 1) oder die Tram-Haltestelle Bischofsweg (Linien 7, 8, 13) der beste Start.

Zur lebendigen Szene trägt auch der Verein LackStreicheKleber bei, der Ausstellungen, Workshops und Wandmalaktionen organisiert und das gleichnamige Urban Art Festival veranstaltet.

Überraschung: Auch außerhalb der hippen „Neuse“ gibt es in Dresden Streetart. In der Friedrichstadt wartet mit über 15 wandfüllenden Murals von Künstler:innen aus Barcelona, Warschau oder Amsterdam eine der größten Streetart-Galerien Mitteleuropas. Die Friedrichstadt liegt auf der Altstädter Seite, da ist Bahnhof Mitte (S-Bahn S 1, Tram 1, 2, 6, 10) ein guter Anfang.

Aktueller Tipp (2026): Im „House of Colors” in der Dresdner Johannstadt sind zwei leerstehende Sechsgeschosser von 70 Urban-Art-Künstler:innen gestaltet worden; die Häuser sind noch bis zu ihrem Abriss Ende 2026 kostenlos zu besichtigen!

Dieser Streetart-Tipp ist von: Jenny. Sie lebt mit ihrer Familie in Dresden und hat über ihre Heimatstadt schon mehrere Reiseführer geschrieben. Auf ihrem Blog Weltwunderer.de teilt sie vor allem Tipps für Familien in Dresden, die sich außerhalb des barocken Stadtzentrums verbergen.


Köln-Ehrenfeld: große Murals, kleine Entdeckungen

Mural Colorrevolution auf dem Gerhard-Wilczek-Platz in Köln
Farbenprächtiges Mural Colorrevolution auf dem Gerhard-Wilczek-Platz in Köln

Köln-Ehrenfeld hat mir eine ganz andere Seite der Domstadt gezeigt. Zwischen alten Industriegebäuden, Cafés und Wohnhäusern tauchen große Murals auf. Genauso spannend fand ich aber die kleinen Paste-ups, Mosaike und Installationen, die ich ohne unsere Streetart-Guide wahrscheinlich übersehen hätte.

Für einen Spaziergang kannst du am Bahnhof Köln-Ehrenfeld starten und über den Ehrenfeldgürtel in Richtung Venloer Straße laufen. Biege dabei ruhig in die Seitenstraßen ab. Rund um das Heliosgelände an der Heliosstraße passt die Kunst besonders gut zur industriellen Kulisse. Dort habe ich unter anderem ein großformatiges Werk von Layla Xing und Huami entdeckt. Ein weiterer Stopp ist der Gerhard-Wilczek-Platz mit dem farbenfrohen „Colorrevolution“-Werk.

Plan für Ehrenfeld etwa zwei bis drei Stunden ein. Die großen Wandbilder findest du gut allein; für die Geschichten hinter den Werken würde ich wieder eine geführte Tour machen. Mehr Eindrücke und Tipps teile ich in meinem Beitrag über Streetart in Köln-Ehrenfeld.

Dieser Streetart-Tipp ist von: Mandy. Sie schreibt auf Mandys Abenteuerwelt über ihre eigenen Reisen und teilt ehrliche Erfahrungen, praktische Tipps und Ideen für die nächste Städtereise. 


Wiesbaden mit Mainz-Kastel: wo das legendäre Meeting of Styles seinen Anfang nahm

Mural von Viv Magia (Viivi Vierinen) aus Finnland an der Female Wall beim Meeting of Styles 2022 in Mainz-Kastel (Wiesbaden)
Mural von Viv Magia (Viivi Vierinen) aus Finnland an der Female Wall beim Meeting of Styles 2022 in Mainz-Kastel

Im wiesbadener Stadtteil Mainz-Kastel (rechtsrheinisch) findet jedes Jahr im Juni das Meeting of Styles (MOS) statt. Das ist eines der bedeutendsten Festivals für Graffiti, Murals und Urban Art. Bereits 1997 fand das erste Event dieser Art in Wiesbaden statt und eroberte von hier aus die Welt. Inzwischen gibt es das Meeting of Styles in 40 Ländern.

In Mainz-Kastel werden die Wände unter dem Brückenkopf (Theodor-Heuss-Brücke), einer wichtigen Verbindung zwischen den Landeshauptstädten Mainz und Wiesbaden und ein Verkehrsknotenpunkt, neu gestaltet. Außerdem sind Flächen am Schlachthof Wiesbaden (Murnaustraße 1) freigegeben, und vor wenigen Jahren durfte auch die Unterführung am Bahnhof Kastel fröhlich gestaltet werden.

Als „Mutter“ des MOS gilt Hildegunde Rech von der Wiesbadener Stadtverwaltung, die sich von Anfang an stark gemacht hat, Murals als Kunst und nicht als Kritzeleien abzutun und dafür sorgte, dass der Brückenkopf als legale Sprayfläche freigegeben wurde. 1997 wurde ihr Porträt großflächig auf die Wand gesprayt. Nur wenige Monate danach verstarb sie.

Unter dem Brückenkopf gibt es extra eine „Female Wall“, denn noch ist die Graffitiszene männlich dominiert. Um das zu ändern bleibt eine Hauptwand den sprayenden Artistinnen vorbehalten. Besonders hervorzuheben sind hierbei die ausdrucksstarken Porträts der Künstlerin Manuela Geypen.

Während des MOS kann man den Künstler:innen kostenlos bei der Neugestaltung zusehen. Und wie es sich für ein ordentliches Festival gehört, gibt es Artwalks, Essensstände und Livemusik. 2027 wird es ein riesiges Fest zum 30-jährigen Bestehen geben. Es soll an die Geschichte erinnert werden.

Dieser Streetart-Tipp ist von: Liane. Auf DieReiseEule berichtet sie authentisch über Reiseziele im In- und Ausland. Ihr Fokus liegt auf Berichten im Tagebuchstil. Ihre Wahlheimat-Stadt Mainz ist dabei eine eigene Rubrik gewidmet, aber auch über das Meeting of Styles findest du bei DieReiseEule einen Beitrag.

Für Weltreize hat Liane bereits den Artikel “Ein perfekter Tag #88 in: Mainz” geschrieben.


Bayreuth: Streetart abseits des Grünen Hügels

Das Bild ist am Hotel Liebesbier direkt bei der Brauerei Maisels & Friends.
Das Bild ist am Hotel Liebesbier direkt bei der Brauerei Maisels & Friends.

Wer in Bayreuth nur Wagner, Festspielhaus und Barockopernhaus sucht, verpasst die andere Hälfte der Stadt. Direkt an Hauswänden, Brücken und alten Industriegebäuden hat sich eine überraschend lebendige Urban-Art-Szene breitgemacht, bunt, riesig und mitten im Alltag.

Rund 35 Skulpturen und Wandmalereien bilden mittlerweile eine echte Open-Air-Galerie in der Innenstadt, im Festspielpark und auf dem Universitätscampus.

Höhepunkt war 2018 das Projekt „She’s Back“, das anlässlich der Wiedereröffnung des Markgräflichen Opernhauses gleich fünf internationale Streetart-Größen nach Bayreuth holte. Seitdem blickt eine junge, comichafte Wilhelmine von Häuserwänden herab (Münzstraße), während andere Werke diese historische Bayreuther Persönlichkeiten in völlig unterschiedlichen Stilen und Szenen zeigen.

Ein Muss für Streetart-Fans ist außerdem das Gelände der Maisel-Brauerei mit dem Liebesbier Urban Art Hotel: über 70 Künstler:innen aus mehr als 30 Ländern haben hier Zimmer, Höfe und Fassaden gestaltet.

Wer die Kunstwerke lieber im Rahmen eines ganzen Wochenendtrips entdecken möchte, inklusive weiterer Geheimtipps abseits der klassischen Sehenswürdigkeiten, findet einen ausführlichen Streifzug durch die grüne Wagnerstadt in diesem Beitrag: 48h Bayreuth abseits der Highlights.

Dieser Streetart-Tipp ist von: Katja. Auf WELLSPA-Portal gibt sie Genussreisetipps für Auszeitgenießer:innen und Genussabenteurer. Und auf genau diesen Spuren fühlt sie sich wohl. Ob Wellnesshotel, ungewöhnlich Übernachten oder SlowHiking, die Auszeit vom Alltag ist das Ziel.


Mannheim: Stadt.Wand.Kunst als Mural-Museum unter freiem Himmel

„Gegen das Vergessen“ (2020) von AKUT, Standort: F6, 5
„Gegen das Vergessen“ (2020) von Akut, Standort: F6, 5

Mannheims Streetart hat ein verbindendes Element: das Projekt Stadt.Wand.Kunst. Seit 2013 verwandeln nationale und internationale Künstler:innen Hausfassaden in Murals und damit Mannheim nach und nach in ein frei zugängliches Open-Urban-Art-Museum. Inzwischen verteilen sich die Werke von der Innenstadt über die Neckarstadt bis nach Jungbusch und Franklin.

In den Quadraten liegen einige meiner Favoriten nah beieinander:

  • „My Superhero Power is Forgiveness“ von Herakut (F6, 1-5),
  • „Gegen das Vergessen“ von Akut (F6, 5-8) und
  • „Europe“ von Bezt (E7, 22).
  • In der Neckarstadt lohnt sich „Girlslove“ von Okuda an der Hochuferstraße 33.
  • Ganz neu ist „Forever Jungbusch“ von TEA KVAR in der Hafenstraße 35-45, das 2026 entstanden ist.

Mein Tipp: Leih dir ein Fahrrad, denn damit lassen sich auch weit auseinanderliegende Murals gut erkunden. Bei der Orientierung hilft die kostenlose Mural Map von Stadt.Wand.Kunst, was ziemlich genial ist. Seit 2026 kannst du außerdem zehn ausgewählte Werke mit dem kostenlosen Audiowalk „Zuversicht“ entdecken.

Meinen ausführlichen Guide findest du in diesem Beitrag: Streetart in Mannheim: Muralprojekt Stadt.Wand.Kunst.

Dieser Streetart-Tipp ist von Claudia von Weltreize. Schön, dass du schon hier bist ♥


Claudia in der rot-weiß-getapten Garage des Streetart-Kollektivs Tape That
Claudia in der rot-weiß-getapten Garage des Streetart-Kollektivs Tape That – erkennst du die optische Täuschung (links die Tür und der blaue, durchgehende Balken)?

Heidelberg verbinde ich schon lange nicht nur mit Schloss und Altstadt, sondern auch mit Metropolink Festival. Das Festival für urbane Kunst holt bereits seit 2015 Streetart-Künstler:innen aus aller Welt in die Stadt und hat inzwischen mehr als 90 Kunstwerke hervorgebracht. Viele davon bleiben dauerhaft sichtbar.

Ein guter Startpunkt für deine Streetart-Tour ist der Hauptbahnhof, wo das riesige Mural “Ganymed und Zeus“ des spanischen Künstlerduos PichiAvo die Eingangshalle am Nordausgang prägt. Gleich mehrere Werke findest du von Case Maclaim, unter anderem auf dem Gelände der Stadtwerke Heidelberg (Alte Eppelheimer Straße 5).

Das Herz der Szene schlägt inzwischen etwas außerhalb: In der Metropolink’s Commissary im ehemaligen US-Militärgelände Patrick-Henry-Village (South Gettysburg Avenue 45) warten auf 3.000 Quadratmetern Innen- und Außenfläche großformatige Arbeiten internationaler und deutscher Künstler:innen. Ich habe Metropolink dort schon 2018 besucht und konnte den Künstler:innen beim Arbeiten zuschauen, was ich immer besonders mag.

Das Festival findet weiterhin jährlich statt. 2026 feierte Metropolink bereits seine zwölfte Ausgabe. Meinen ausführlichen Beitrag findest du hier: Streetart in Heidelberg: Metropolink-Festival.

Dieser Streetart-Tipp ist von Claudia von Weltreize. Schön, dass du schon hier bist ♥


München: vom Sprayer-Mekka zum Urban-Art-Museum

Das Werksviertel-Mitte München war lange ein Streetart-Hotspot.

Ausgerechnet das geschniegelte München war ein Vorreiter der deutschen Streetart-Szene. Als die Graffiti-Kultur Anfang der 1980er-Jahre aus New York nach Europa schwappte, entwickelte sich hier noch vor Berlin eine lebendige Szene. Bis in die späten 1990er-Jahre galt München sogar neben New York als Mekka der Sprayer:innen. Vor allem die einstigen „Glasscherbenviertel“ wurden zu Hochburgen der Streetart.

Im Schlachthofviertel etwa liegt die Open Wall an der Tumblingerstraße, eine legale Graffiti-Fläche, die regelmäßig neu bemalt wird. In Giesing findet sich mit „Räterepublik“ von WON ABC am Giesinger Berg ein bedeutendes Mural, das ein wenig bekanntes Kapitel Münchner Geschichte aufgreift.

Auch das Werksviertel-Mitte, einst Pfanni-Gelände und später Kultfabrik, war lange ein Streetart-Hotspot. Viele großformatige Murals des „Hands Off The Wall“-Festivals mussten allerdings inzwischen Neubauten weichen. Geblieben ist ein lebendiges Kunstquartier mit einem Mix aus Streetart, Kunst am Bau und Skulpturen.

Mit dem MUCA bekam München 2016 Deutschlands erstes Museum für Urban Art.

Prägende Figuren der Münchner Szene sind WON ABC und Loomit, der den Sprung vom illegalen Graffiti-Sprayer zum international gefragten Künstler schaffte. Du findest sie z.B. hier:

  • „Räterepublik“, WON ABC, Martin-Luther-Straße, Umspannwerk (Giesing),
  • „Georg Elser„, WON ABC, Bayerstraße 69 (Nähe Hauptbahnhof) – gemeinsam mit Loomit,
  • „Frei unter Freien“ / „Wesen der Lüfte, Himmel der Freiheit“, WON ABC, Brudermühlbrücke.
  • „Ludwig I. und Sisi“ von Loomit findest du in der Fußgängerunterführung unter der Ludwigstraße, zwischen Oskar-von-Miller-Ring und Von-der-Tann-Straße (Maxvorstadt).

Dieser Streetart-Tipp ist von: Elke. Auf ihrem Reiseblog Kekse & Koffer schreibt sie über Bayern und die Welt, z.B. auch über das reizvolle Werksviertel in München.

Für Weltreize hat Elke bereits den Artikel “Ein perfekter Tag #73 in: Füssen” geschrieben.


Buchtipps für Streetart-Enthusiast:innen

Drei Bücher zum Thema Streetart liegen auf einem Tisch.
Einige Streetart-Bücher zieren auch bereits meiner Bücherregal.

Inzwischen sind ein paar reizvolle Bücher zum Thema Streetart erschienen.
Hier meine Lieblinge (* Affiliate-Links):


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Pin-Collage aus drei Streetart-Bildern mit Text "16 Insidertipps für Streetart in Deutschland"

Streetart-Tipps für Europa

Streetart Arthur Verona Straße
Darth Vader spricht zur Gen Z

In Bukarest war die Suche nach Streetart gar nicht so einfach, am Ende ist es eine reizende Kollektion geworden: Bukarest alternativ: 10 Geheimtipps für Streetart, Soulfood & ungewöhnliche Orte

In Krakau habe ich mich auf die Suche nach Streetart und ungewöhnlichen Orten gemacht: Krakau alternativ: 11 Geheimtipps für die besten Streetart-Spots, Soulfood & ungewöhnliche Orte.

Im reizenden französischen Nancy habe ich mich vor einiger Zeit mit dem Fahrrad auf die Suchen nach Streetart gemacht und einiges entdeckt: Streetart & Graffiti in Nancy – reizender Insidertipp in Lothringen.

In der französischen Stadt Industrie- und Unistadt Mulhouse gibt es ebenfalls jede Menge Streetart zu entdecken: Streetart in Mulhouse: Geheimtipp im Elsass.

In London, eine meiner liebsten Städte, habe ich mich beim letzten Besuch auf die Suche nach Streetart gemacht, einen Amy-Winehouse-Streetart-Trail und in der Brick Lane das reinste Streetart-Eldorado entdeckt. Die ganze Geschichte erzähle ich dir im Artikel → Endlich London: auf der Suche nach Streetart.

In Valencia, wo ich zwei Wochen zum Spanischlernen war, hat mich besonders fasziniert, dass die höchste Streetart-Dichte im Herzen der Altstadt zu finden ist. Die zeige ich dir im Artikel → Streetart in Valencia: bunt, laut, mittendrin


Interviews mit Streetart-Künstlern

Chilean Steet Artist Otto Schade, Copyright: Blundell Street Studios
Chilean Steet Artist Otto Schade, Foto by Blundell Street Studios

In London habe ich dem chilenischen Streetart-Künstler Otto Schade ein paar Fragen gestellt. Warum er Streetart macht, liest du im → Interview

Auch in Valencia bin ich mit einem Streetart-Macher ins Gespräch gekommen. Diesmal mit dem Bildhauer Rodrigo Romero Pérez. Im → Interview verrät er mir, was für ihn das Besondere an Streetart ist.


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