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Manuel-Antonio-Nationalpark: wegen Überfüllung geschlossen

Nach einem Kurzaufenthalt in der eher tristen Hauptstadt San José geht es für uns mit dem Bus in Richtung Quepus. Denn dort sollen wir nicht nur unsere Hamburger Freundin Alexia treffen, mit der wir über Weihnachten und Silvester zwei Wochen in Costa Rica reisen wollten. Von dort wollen wir auch den Manuel-Antonio-Nationalpark besuchen, der im Reiseführer unter den Top-16-Attraktionen von Zentralamerika gelistet und als „grünes Juwel“ mit „jede(r) Menge Tieren“ beschrieben wird. 

Wiedersehen mit Alexia

Doch zunächst freuen wir uns auf das Wiedersehen mit Alexia im Hostel „Vista Serena“. Alexia hatte uns auch das weltreize-Bild (ganz unten) zu Abschied geschenkt. Sie gehört jener glücklichen Gruppe von Menschen an, die praktischerweise überall auf der Welt Verwandtschaft haben. In Costa Rica lebt ihr Cousin Jurij. Bei ihm ist sie schon ein paar Tage vor uns angekommen und mit ihm an einen versteckten Ort gereist, den Jurij mit seiner Geschäftspartnerin für zukünftige Projekte unter die Lupe nehmen wollte. Auf dem Rückweg nach San Jose wollen sie Alexia dann in Quepus absetzen.

Wir sind zuerst in der Unterkunft und beziehen den winzigen Viererschlafsaal mit Stockbetten. Hmpf. Dann setzen wir uns auf die große Veranda, die einen fantastischen Blick über das Tal und aufs Meer bietet.

Sonnenuntergang von der Veranda des Vista Serena

Sonnenuntergang von der Veranda des Vista Serena

Wenig später trudelten dann Alexia und Jurij mitsamt Geschäftspartnerin ein. Jurij hat einige Zeit im Nachbarhaus von unserem Hostel gewohnt und kennt irgendwie alle. Er wechselte ein paar Worte auf Spanisch mit seiner früheren Nachbarin und sagte dann, die Weiterreise nach Samara, unserer nächsten Station, sei kein Problem, es gebe einen direkten Bus. Diese Information ist leider nicht ganz richtig, aber das werden wir erst am folgenden Abend erfahren.

Wiedersehen mit Alexia

 

9 Uhr morgens in Costa Rica

Als wir am nächsten Morgen mit dem Bus beim Nationalpark ankommen, fängt uns direkt an der Bushaltestelle ein Tico (so nennen sich die Costa Ricaner) ab, der genau den richtigen Guide für uns zu haben glaubt. Er begleitet (oder verfolgt?) uns bis zum Parkeingang, wo wir ihn nach harten und zähen Verhandlungen tatsächlich buchen.

Bevor es endlich in den Manuel-Antonio-Nationalpark geht, ringt der Tico uns das Versprechen ab, den anderen Touristen, die in unserer Gruppe sind, nicht den Preis zu verraten, den wir für den Guide gezahlt haben, da sie alle mehr bezahlt haben. Als wir gegen 9 Uhr endlich den Parkeingang passieren, machen sie knapp hinter uns doch tatsächlich das Tor zu, weil die maximale Personenzahl, die im Park zugelassen ist, erreicht ist!

Wegen Überfüllung geschlossen: Manuel-Antonio-Nationalpark

 

Schlange stehen statt Schlangen sehen

Bei unserer geführten Tour sehen wir zugegebenermaßen etliche Tiere, aber meist hocken sie stur 20 Meter über uns in den Baumwipfeln, oder wir können sie lediglich durch das Profi-Teleskop des Guides erspähen. Ich bin besonders enttäuscht, weil ich fest darauf gehofft habe, ein Faultier von ganz Nahem zu sehen, wie damals im Zoo in Budapest. Aber das passiert natürlich nicht. 

Unsere Gruppe besteht aus 15 Personen, die bei jedem Grashüpfer erstmal am Fernglas vorbeigeschleust werden müssen. Die fünf Kinder sind besonders schwer davon zu überzeugen, das Teleskop wieder herzugeben. De facto warten wir also die meiste Zeit darauf, durchs Fernglas zu schauen.

Spinne im Netz

Jesusechse - kann über's Wasser laufen

Gut getarnt, aber dennoch zu sehen: eine Jesusechse, so genannt, weil sie über’s Wasser laufen kann

Leguan beim Sonnenbad

ein Leguan beim Sonnenbad

Wir sind froh, dass wir die geführte Tour gebucht haben, denn ohne den Guide hätten wir bestenfalls den verhaltensgestörten Waschbären, der wild entschlossen direkt auf die Touristengruppen zusteuert, oder die frechen Kapuzineräffchen, die den Leuten das Essen klauen, gesehen.

Verhaltensgestörter Waschbär

Welche Krankheit wohl dieser Waschbär hat?

Kapuzineräffchen - drei Affen

Kapuzineräffchen – drei Affen auf Costa-Ricanisch: Essen sehen, Essen klauen, schnell abhauen.

Kapuzineraeffchen - Hang Loose

Kapuzineraeffchen – Hang Loose

Kapuzineräffchen mit Hand vorm Mund

 

Das Geheimnis des Tour Guides

Bewundernd fragen wir uns, wie es möglich ist, dass unser Tour Guide kleinste Tiere in weiter Ferne erspähen kann? Klar, er tauscht sich mit seinen Guide-Kumpels aus. Wir fragen ihn, ob die einzelnen Spezies vielleicht so eine Art Stammplatz haben. Obwohl er das vehement bestreitet, bleibt die Vermutung bestehen. Vielleicht haben die Guides ja auch den weißen Albinofrosch aufs Blatt oder den Grashüpfer an die Palme geklebt?

Albinofrosch: echt oder aufgeklebt?

Albinofrosch: echt oder aufgeklebt?

Touristen loswerden für Anfänger

Außer uns beenden alle aus unserer Gruppe die geplant zweistündige Tour vorzeitig nach einer Stunde. Man hat schließlich noch andere Termine. Wir freuen uns, haben wir den Guide und das Teleskop ab sofort für uns ganz allein! Ersterer hat allerdings andere Pläne und versucht, uns wenig später am parkeigenen Strand schleunigst loszuwerden. 

Aber nicht mit uns! Wir haben für zwei Stunden bezahlt, jetzt wollen wir noch ein bisschen herumgeguided werden. Zunächst widerwillig, lässt er sich darauf ein, dass wir ihn auf dem Weg zurück zum Parkeingang begleiteten, in der Hoffnung, mit ihm noch weitere Tiere zu entdecken. Er lässt sich sogar dazu hinab, noch einen kleinen Abstecher mit uns Unwürdigen zu machen, und so sehen wir sogar noch ein paar Brüllaffen.

Bye-bye Sohle

Vor lauter Aufregung verabschiedet sich leider die Sohle von Alexias rechtem Tennisschuh. Was sie deswegen noch durchmachen muss, erfährst du in ihrem Artikel „O Sohle mio – was für ein Vulkan„.

Nach 20 Jahren ist selbst der beste Kleber hinüber.

Zugegebenermaßen hatte sie extra ihre allerallerältesten Schuhe für diese Reise ausgegraben, beseelt von dem Gedanken, dass ihre Costa-Rica-Beschuhung nach der Reise ohnehin müllreif sein würde. Und warum dann gute Schuhe ruinieren?! Die historischen Tennisschuhe aus den 1990er Jahren sollen uns noch lange Freude bereiten (was knapp zwei Wochen später in dem Cerro-Chato-Hike gipfelte). Für heute erweist sich der erfahrene Guide als  MacGyver-eskes Improvisationstalent und bindet einfach den Schnürsenkel einmal um Alexias gesamten Schuh, was die Sohle halbwegs stabilisiert.

Am Strand von Manuel Antonio

Nachdem wir den Guide schließlich in die Freiheit und zu seiner nächsten Gruppe entlassen haben, verbringen wir den restlichen Tag im Park am Strand bei den Äffchen und machen noch eine Wanderung. Am Ende baden wir im Pazifik, bevor uns ein Parkranger mit einer Trillerpfeife auffordert, den Manuel-Antonio-Nationalpark zügig zu verlassen – er schließe jetzt.

Der große Strand im Manuel-Antonio-Nationalpark

Der große Strand im Manuel-Antonio-Nationalpark

Fazit Manuel-Antonio-Nationalpark

Alles in allem haben wir einen langen, sonnigen Tag im überfüllten Manuel-Antonio-Nationalpark verbracht und viele Tiere gesehen, wenn auch anders als erhofft. Die geführte Tour war in jedem Fall die richtige Wahl. Insgesamt muss man diesen Park aber nicht unbedingt besuchen – zu voll.

 

MEHR Costa Rica

Du willst wissen, wie unsere Reise durch Costa Rica weitergeht? Da haben wir noch ein paar Artikel für dich:

  • Auf der nächsten Station in Costa Rica lassen wir nicht nur Weihnachten ausfallen, wir sind auch so richtig fertig und brauchen erstmal eine Pause – aber auch das muss auf einer Weltreise mal drin sein: Samara Beach: Urlaub vom Reisen
  • In Santa Elena besuchen wir eine Kaffeefarm, bleiben beim Zip-Lining über dem Regenwald stecken und feiern Silvester: Im Nebelwald von Santa Elena
  • Am 1.1. schlafen wir nicht etwa aus, sondern machen uns auf den Weg nach La Fortuna, wo ich eines meines Weltreise-Highlights entdecke: Wildwasser-Rafting! Wie genial das ist, schreibe ich in diesem Artikel: Rafting in La Fortuna
  • In La Fortuna geht es actionreich weiter und wir besteigen gleich zwei Vulkane, wobei Alexias Uralt-Turnschuhe sich schnell komplett verabschieden. In ihrem Gastartikel „La Fortuna: Oh Sohle mio – was für ein Vulkan“ kannst du ein bisschen mit ihr leiden. 
  • Meinen Verriss auf Costa Rica als Reiseland findest du hier: Gereizt in Costa Rica – ein Verriss. Dominik teilt meine Meinung zu Costa Rica übrigens nicht und nach weiteren Weltreiseländern würde ich sie inzwischen auch etwas revidieren…
  • Viele praktische Hilfestellungen und Tipps findest du in meinem „Fazit Mittelamerika“ – ein Zusammenfassung dieses Subkontinents.

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