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Elbe-Radtour 4: Störche und die Lutherstadt Wittenberg

Mit einer Freundin bin ich unterwegs auf dem Elbe-Radweg. In einer Woche fahren wir die 300 km von Dresden bis Magdeburg. Hier berichte ich jeden Tag von unseren Erlebnissen. Heute ist eine unserer weitesten Etappen: von Torgau nach Wittenberg. 

Strecke: 69 km, Zwischenstops: keine nennenswerten

Es liegen knapp 70 km vor uns. Manche Leute machen das vermutlich jeden Tag zur Arbeit, für uns ist das eine beachtliche Distanz. Morgens fehlen mir die Senioren im Frühstücksraum, in dem es ungewohnt ruhig ist. 

Immerhin, um 8:45 Uhr verlassen wir unsere Unterkunft, das Brauhaus Torgau. Zum Frühstück geht’s in die Croissanterie. Für eine Croissanterie gibt es erstaunlich wenig Croissants. 

Croissanterie in Torgau

Die Croissanterie befindet sich in der Breiten Straße 13 in Torgau. Hier kann man gut und günstig frühstücken.

Danach springt Dani noch kurz in die Rösterei Arabica, um sich Kaffee mitzunehmen. Hier wird der Kaffee frosch geröstet und kommt von überall aus der Welt. Gutes Souvenir für Kaffeesüchtige wie uns. Gegen 9:50 Uhr treten wir endlich den langen Weg an. Der Vormittag ist kalt, bewölkt, grau und regnerisch.

Dommitzsch Radweg

Obwohl wir mit dem grauen Himmel und der Kälte hadern, ist der Weg durch die Landschaften ungebrochen schön.

Es gibt nicht viel zu berichten und noch weniger Fotos. Wir schrubben Kilometer. 

Pause auf dem Bauernhof

Genau um 12 Uhr machen wir unsere Müsliriegelpause in Priesitz, wo wir diese winzige, alte Schifferkirche direkt am Fluss finden. Wie zur Begrüßung schlägt die kleine Kirchenglocke lautstark Alarm.

Schifferkirche in Priesitz

Idyllisch hier, bis auf die zwei meckernden Ziegenböcke hinter uns, die neidisch auf die Müsliriegel schielen.

Bad-Schmiedeberg-Ziegenbock

Auf einer nahegelegenen Wiese grasen Kühe und Kälber. Auf dem Foto sind übrigens drei Kälbchen. Wer findet alle?

Bad-Schmiedeberg-Kaelber

 

Problemstorch Ronny

Auf der ganzen Fahrt sehen wir überall Störche. Störche sind ja eigentlich wie Flamingos, nur in schwarz-weiß und eher paarweise anzutreffen. Kennt ihr die Geschichte vom Problemstorch Ronny? Typische Sommerloch-Story aus dem vergangenen Jahr, als ein Storch etwas zu territorial wurde und ein ganzes Dorf in Schach hielt… Die ganze Geschichte von Ronny lest ihr hier

Storch auf gruenem Feld bei Elsnig

Wir sehen die Störche leider oft nur aus der Distanz.

Halbzeit auf Schloss Pretzsch

Zum Mittag haben wir immerhin die Hälfte geschafft, als wir völlig durchgefroren im Schloss Pretzsch einkehren.

Schloss Pretzsch

Schloss Pretzsch liegt auf halber Strecke zwischen Torbau und Wittenberg.

Das Schlosscafé Eberhardine bietet Snacks, Crêpes und Kuchen an. Außerdem ist es hier etwas wärmer als Draußen, wo der Winter beschlossen hat zurückzukehren.

Erlebnis Fährfahrt

Wie ihr merkt, ist dieser Tag besonders ereignisreich. Und nur wenig später wartet schon das nächste Erlebnis auf uns: Es mit der Fähre über die Elbe. 1,50 Euro kostet die Fahrt pro Person. Während die kleine Fähre den Fluss überquert, erklärt der Fährmann uns das Verfahren.

Pretzsch Faehre ueber die Elbe

Elbüberquerung mit der Fähre bei Pretzsch

Dabei legt sich die kleine Fähre so in die Strömung, dass sie von ihr ans andere Ufer getrieben wird. Dabei ist auch noch eine Seilwinde im Spiel. So 100%ig klar wird uns die Sache nicht, denn die Fahrt ist ruckzuck wieder vorbei. Jedenfalls läuft alles rein mechanisch und ohne den Einsatz von irgendetwas, das die Umwelt verschmutzen könnte. Man sollte öfter mit der Fähre fahren.

Zahna Elster Wiese mit Schleierkraut

Eine Wiese voller Schleierkraut ist das dann Highlight des Nachmittags.

Am Himmel ziehen erstaunlich dunkelgraue Wolkenbanken vorbei, aber wir bleiben weitestgehend verschont.

Elbe zwischen Zahna und Elster

 

Von der Schönheit des Radfahrens

Aber vielleicht muss ich mal erklären, worum es bei einer Radtour grundsätzlich geht?! Du ahnst es vermutlich schon. Ums Radfahren, vor allem ums Radfahren. Und darum, dass wir uns dafür entschieden haben, die heimische Couch zu verlassen und uns dieser, wenn auch sicher für viele andere Menschen kleinen, Herausforderung zu stellen. Obwohl, so klein ist die gar nicht. 

Nach Tag 1 arbeiten wir gegen den Schmerz: Zu allererst tut alles weh, was mit dem Sattel in Berührung kommt. Bei mir tut dann aufgrund meiner Sattelfehlstellung von Tag 1 die Achillesferse vom rechten Fuß und eine unbekannte Stelle auf der Innenseite des linken Fußes weh. Dani hat andernorts Schmerzen. Das kannst du ganz individuell gestalten. Das Schöne ist, dass der Körper, sich während des Fahrens so einstellt, dass wir fast schmerzfrei radeln können. Da ist Radfahren ja wie Schwimmen, man kann es irgendwie, aber auf der langen Strecke stellt man fest, dass man es nicht RICHTIG kann. Am schlimmsten sind die Abende, wenn all die Schmerzen und Wehwehchen in dir hochkriechen und du dich humpelnd die Treppe zu deinem Zimmer hochschleppst. Aber all das ist Jammern auf hohem Niveau, deutscher Nationalsport. Du kennst das.

Am Ziel: Lutherstadt Wittenberg

Schon um 16:30 Uhr erreichen wir Wittenberg. Im Regen. Schnell ins Hostel Wittenberg, Sachen abstellen, heiße Dusche, dann wieder in die Stadt. Die heiße Dusche ist hier nicht sonderlich erbaulich, müssen wir doch alle 10 Sekunden erneut auf den Knopf drücken, der das Wasser zum Fließen bringt – wie im Schwimmbad früher. Irgendwie ist man aus dem Alter raus. Das Waschbecken funktioniert genauso, die Gesichtswäsche gerät zur Herausforderung. Nachdem wir halbwegs wieder aufgetaut sind, können wir zu Fuß in die Altstadt gehen.

Lutherstadt-Wittenberg-Markt

Gespiegelt: ich auf dem Marktplatz von Wittenberg

Lutherstadt-Wittenberg-Markt Laterne

Auch in der Lutherstadt Wittenberg stoßen wir auf eine sehr gute erhaltene Altstadt. Oder wie Dani dann immer sagt: jetzt kann ich mir die Schauplätze meiner historischen Romane viel besser vorstellen.

Lutherstadt-Wittenberg-Juedenstrasse

Am Nachmittag kommt wieder die Sonne raus.

Lutherstadt-Wittenberg-Markt-regennass

Doch die Straßen sind noch regennass.

Wegen der Kälte landen wir nach einem kurzen Altstadtbummel im Einkaufszentrum. Wenn ihr uns jetzt als Kulturbanausen beschimpft, ist das okay. Die Stadt, auf die wir uns besonders gefreut haben, schauen wir uns morgen an. In diesem Jahr werden 500 Jahre Reformation gefeiert, weshalb wir in Deutschland einen zusätzlichen Feiertag geschenkt bekommen 🙂 Vor 500 Jahren hat Luther seine Thesen hier an die Kirchentür gehämmert und damit die Reformation eingeläutet. Die Festwochen in Wittenberg werden allerdings erst ab Ende Mai 2017 begangen.

Endlich Spargel!

Für das obligatorische Abendessen gehen wir in den „Schwarzen Bären“, ein uriger Laden, überall Holzvertäfelung, verwinkelt und rappelvoll. HIer hat man sich auf Kartoffeln spezialisiert. Die Pfanne Bratkartoffeln mit Zwiebeln und Speck, die gelegentlich an uns vorbeiläuft, sieht extrem lecker aus. Wir bekommen einen Katzentisch mit Tresenstühlen. Genau das Richtige für müde Radfahrerbeine.

Claudia von weltreize

Im Schwarzen Bären ziehe ich sofort meine frisch ershoppte Bluse an.

Lutherstadt-Wittenberg-Schwarzer-Baer-Spargel-Schnitzel Bratkartoffeln

Und wieder ein Futterfoto. Heute: Schnitzel mit Bratkartoffeln und Spargel mit Sauce Hollandaise im Schwarzen Bären in Wittenberg.

Aber es gibt endlich Spargel! Darauf freue ich mich schon die ganze Zeit, hatten wir bei unserer letzten Radtour vor zwei Jahren an der Ostsee doch fast jeden Tag frischen Spargel essen können. Die Spargel- und Erdbeerzeit ist die beste Zeit.

Lutherstadt-Wittenberg-Markt-abends

Lutherstadt Wittenberg bei Nacht: der Markt erleuchtet.

Lutherstadt-Wittenberg-Schlosskirche-abends

Die Schlosskirche erstrahlt abends ebenfalls in einem besonderen Licht.

Am nächsten Tag haben wir eine verhältnismäßig kurze Strecke von knapp 40 km vor uns. Dann geht es von Wittenberg nach Dessau. Bleibt dran!

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