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Tulum – Viva la Mexiko

Tulum erwies sich als perfekter kleiner Ort an der Karibikküste Mexikos in Yucatan. Den Küstenabschnitt nennt man nicht ohne Grund „Riviera Maya“. Perfekt zum Ausruhen und perfekt als Ausgangspunkt für diverse Unternehmungen. Hier gibt es alles: Strand zum aufs Meer starren, Ruinen zum Anschauen und Cenoten zum Betauchen. Außerdem jede Menge Cafés, Bars und Restaurants. Deshalb blieben wir einfach und aßen jeden Tag Nachos mit Guacamole. Ein Traum. 

Flipflops "I love Tulum"
Grenzübertritt in Chetumal

So ruhig die Woche in Tulum war, so abenteuerlich war die Anreise, besser gesagt, die Einreise nach Mexiko. Wir kamen von der Insel San Pedro, auf der wir schon offiziell aus Belize ausgereist waren, mit Stempel im Reisepass und allem Drumunddran. Als das Boot in Chetumal in Mexiko anlegte, wurden wir von vollbewaffneten mexikanischen Grenzsoldaten im schusssicheren Westen in das nahe gelegene Grenzgebäude begleitet. Auf dem Boot waren vielleicht 20 Personen, die jetzt alle ihr Handgepäck in einer Halle auf dem Boden in einer Reihe aufstellen mussten. Dann trat man einige Schritte vom Gepäck zurück, und weitere Grenzsoldaten rückten mit Drogenhunden an, die zwei Mal um das Gepäck herumgingen und die Rücksäcke abschnüffelten. Doch kein Hund schlug an.

Gepäckkontrolle am Grenzübergang Chetumal (Mexiko)

Spürhunde und ihre Herren nehmen das Gepäck genau unter die Lupe

Als dieser Prozess abgeschlossen war, durften wir das Handgepäck wieder an uns nehmen und zum Schalter gehen, wo wir eine Einreisegebühr von umgerechnet ca. 20 Euro pro Person zahlen mussten. Wer, wie wir, noch keine mexikanischen Peso hatte, der musste – ohne Reisepass allerdings – zum Geldautomaten ein paar Straßenecken entfernt gehen. Nachdem Dominik vom Geldautomaten zurück war, zahlten wir und gingen in den anderen Teil der Halle. wo die Koffer unserer Gruppe gleichsam aufgereiht zum Spürhundtest bereitstand. Aber auch hier verlief alles ruhig, sodass wir weiter zum Zollschalter gehen konnten. Dort drückte jeder den Knopf eines Zufallsgenerator: leuchtete das Licht dort grün auf, durfte man seine Reise fortsetzen, bei rot musste man seinen Koffer dem Zoll öffnen. Wir hatten beide Glück und das grüne Licht ersparte uns eine weitere Kofferkontrolle. Danach konnten wir in den Kleinbus steigen und die Weiterfahrt zu unserem Zielort Tulum antreten.

Einreisestempel Mexiko

Am Grenzübergang von Belize nach Mexiko in Chetumal an der Karibikküste

Am Grenzübergang von Belize nach Mexiko in Chetumal an der Karibikküste

Oben ohne

Ein Klischee über Mexiko bestätigte sich in Tulum außerdem: Es gibt jede Menge Straßenmusiker, die abends, wenn die Stadt erleuchtet ist, von Restaurant zu Restaurant ziehen und ein paar Lieder für ein kleines Trinkgeld vortragen. Im Klischee haben sie dabei Sombreros (was übrigens einfach das spanische Wort für „Hut“ ist) auf. Als Tourist malt man sich Sombreros gerne als die riesigen Strohhüten aus, die der kleine Bandit „Pancho Vanilla“ mit dem Schnurrbart bei Speedy Gonzales immer aufhatte. In Tulum trug niemand Sombreros. Die Nachodichte stimmte also, die Sombrerodichte war hingegen erstaunlich niedrig.

Abendessen in Tulum: Bier, Nachos und Guacamole

Abendessen in Tulum: Bier, Nachos und Guacamole

Totenköpfe - ein beliebtes Symbol in Mexiko
Eine unverhoffte Begegnung

Als wir eines abends draußen in einer kleinen Nebenstraße beim Essen saßen und gerade Pause zwischen zwei mexikanischen Musikkombos herrschte, passierte es. Ich sah gedankenverloren dem Treiben auf der Straße zu, beobachtete die Menschen, die vorbeischlenderten, als mein Blick an einer Frau hängenblieb. Ich starrte sie an, konnte meinen Blick nicht losreißen. War das nicht …? Nein, das konnte nicht sein. Während wir einander anstarrten ging sie vorbei und ich dachte schon, ich hätte mich getäuscht. Ich drehte mich noch einmal kopfschüttelnd um, wäre ja auch unglaublich gewesen. Da war sie stehengeblieben. Auch sie hatte mich erkannt, eine Kollegin aus Hamburg. Hier in Tulum. Ohne jede Vorwarnung. Einfach so.

Unverhoffte Begegnung mit Arbeitskollegin Kerstin aus Hamburg

Als wir uns wieder gefangen hatten, setzten sie und ihr Partner sich zu uns an den Tisch und wir mussten erstmal den Schock verarbeiten. Wie wahrscheinlich war es, dass man sich tausende von Kilometern von Zuhause über den Weg läuft? Wie viele Leute hatten wir im Gegensatz vielleicht knapp verpasst? Es blieb surreal mit ihr gemeinsam hier in Tulum am Tisch zu sitzen. Was für eine Überraschung! Wir liefen uns am nächsten Tag noch zweimal über den Weg, dann zogen sie weiter. Die beiden waren gerade die erste Woche in Mittelamerika, hatten noch fast zwei Monate vor sich, die sie mit Couchsurfing und Arbeiten auf einer Farm verbringen wollten.

Die Ruinen von Tulum

Tulum wurde vor allem wegen der Maya-Ruinen zum Touristenort, wobei er noch nicht so überlaufen war wie Playa del Carmen oder Cancun. Das Besondere an den Ruinen von Tulum ist, dass sie direkt am Meer liegen und zu Zeiten der Maya einen wichtigen Handelshafen waren. Diese Lage direkt an der Karibikküste unterscheidet sie von allen anderen Maya-Ruinen und macht sie so einzigartig. Das Schloss der „Tempel des Herabsteigenden Gottes“, der „Tempel des Windes“ und der Freskentempel sind die bekanntesten Gebäude der Anlage. Die innere Stadt wird von einer zum Meer hin offenen Stadtmauer umrundet, an deren Nordwest- und Südwestecken Wachtürme stehen. Als wir die Ruinen besuchten, war es grau und stürmisch.

Am Strand

Surfing Fish

Nach den Ruinen machten wir trotz des Schietwetters einen Spaziergang am langen Sandstrand. Wir passierten viele Hotels und kleine Bungalowanlagen, aber der Strand war wegen des Wetters fast menschenleer. Als ein neuerlicher Regenguss niederging, machten wir uns auf den Heimweg, nur um am nächsten Tag mit dem Fahrrad wiederzukommen. In der Abendsonne setzen wir uns in das Restaurant einer Luxusanlage mit Blick auf den Ozean. Es war Happy Hour, weshalb wir uns hier zwei Piña Coladas leisteten.

Pina Colada am Strand von Tulum

Beim Hinausgehen fragten wir den Rezeptionisten nach den Zimmerpreisen: Bis 400 US-$ pro Nacht! Wir schluckten, nahmen uns einen Gratis-Lolli und schwangen uns wieder auf die Räder, um zu unserer etwas bescheideneren Unterkunft zurückzukehren.

Glamping

Trotzdem war unsere Unterkunft in Tulum etwas Besonderes und ein Novum für uns: Wir machten nämlich Glamping. Glamping ist eine Komposition aus Glamour und Camping, glamorous Camping sozusagen. Das Zelt ist groß und man muss es nicht selbst aufbauen.

Glamping2 - 1 (1)

Glamping2 - 1

Glamping

Drinnen steht ein richtiges Bett, ein paar Kleinmöbel und es gibt Strom. Unser Glamping-Zelt hieß „Flowers“ und war entsprechend dekoriert. Außerdem hatte es im Vorgarten zwei pinke Blechflamingos. Manchmal lief eine kleine Echse von außen über das Glamping-Zelt, in der ersten Nacht bellte ein kleiner Hund geschlagene zwei Stunden und raubte uns den letzten Nerv, ansonsten war es friedlich und sehr naturverbunden. Trotzdem zogen wir nach drei Nächten um in die Casa Rosa, die war nur halb so teuer und viel zentraler. Leider hatte uns niemand gesagt, dass jeden Abend gegenüber lautstark mexikanische Kindergeburtstage gefeiert wurden, aber irgendwas ist ja immer.

Mexikanischer Kindergeburtstag gegenüber unserer Unterkunft

Cenoten-Tauchen

Das Highlight von Tulum war aber das Betauchen von drei Cenoten. Mein erster Tauchgang nach Galapagos und ein Geburtstagsgeschenk von Dominik. Aber das mit den Cenoten ist eine andere Geschichte, die Dominik in diesem Artikel erzählt.

Eingang zu den Cenoten "Dos Ojos" bei Tulum, Mexiko

Eingang zu den Cenoten „Dos Ojos“ bei Tulum, Mexiko

Die Ruinen von Cobá

Einen Tag bevor es weiter ins 130 km entfernte Cancun ging, machten wir einen Ausflug zu den Ruinen eine Maya-Zeremonialstätte in Cobá, das ca. 42 km von Tulum entfernt liegt und gut mit einem Sammeltaxi zu erreichen ist. Die Ruinen von Cobá standen weitaus kompakter als die von Tikal und waren auch sehr viel besser besucht. Doch hier konnten wir uns günstig sehr einfache Fahrräder mieten, was sich als sehr praktisch erwies. Der Höhepunkt dieser Maya-Anlage ist die Pyramide von Nohoch Mul, deren 120 Treppenstufen man auch heute noch erklimmen kann, um mit einem wunderbar weiten Blick auf 42 m belohnt zu werden. Viel von den anderen Bauten der Anlage konnten wir allerdings nicht sehen, da die Bäume so dicht und so hoch standen, dass allenfalls die Tempelspitzen grau aus dem grünen Meer herausragten.

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