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Visumsverlängerung in Indonesien oder: Wie schikaniere ich Touristen?

Weniger als eine Minute dauerte es, bei der Einreise das 30-Tage-Visum für Indonesien zu bekommen. Doch die Verlängerung um weitere 30 Tage ist ein echtes Geduldspiel – ach, was sage ich… Aus der Reihe: Wie schikaniere ich Touristen? Unser Erfahrungsbericht mit der Einwanderungsbehörde in Manado in Nord-Sulawesi…

Wir sind vorgewarnt. Seit drei Wochen reisen wir durch Indonesien und seit dem ersten Tag haben wir jeden Ausländer, den wir getroffen haben und der sich schon länger als 30 Tage in Indonesien aufhält, nach Tipps gefragt, wie man am geschmeidigsten das Visum verlängern kann. Wir haben sie alle befolgt: Trotz drückend schwüler Hitze haben wir unsere besten Klamotten angezogen. Lange Hose und langärmliges Hemd seien wichtig, feste Schuhe, bloß keine Flip-Flops, kein Sonnenhut oder irgendetwas, das nach leichtem Urlaub aussieht.

Morgens um 8 Uhr machen wir uns auf den Weg von der kleinen Insel Bunaken auf’s „Festland“ von Sulawesi, nach Manado, wo es eine Einwanderungsbehörde gibt, die solche Visums-Verlängerungen bearbeitet. Okay, dass das Boot erst nach anderthalb Stunden Warten, um 9.30 Uhr ablegt, dafür kann die Behörde nichts. Über unsere Unterkunft haben wir einen Fahrer organisiert, der uns nach einstündiger Bootsfahrt am Hafen abholt und 30 Minuten durch die Stadt zur „Immigration“ fährt. Dort angekommen wartet bereits eine Kontaktperson, die dafür sorgt, dass wir gleich drankommen. Prima!

Wir haben alle Unterlagen zusammen: Reisepass mit Kopien der wichtigsten Seiten (persönliche Angaben, aktuelles Visum), Kopien unseres nächsten Fluges, um zu beweisen, dass wir das Land auch tatsächlich verlassen wollen, zwei biometrische Passfotos. Der Beamte spricht sogar ein paar Worte Englisch, reicht uns das Antragsformular über den Tresen und hinterlässt einen freundlichen Eindruck.

Wir beantworten den beeindruckenden Fragenkatalog gewissenhaft: Welchen Beruf wir haben, wie der Arbeitgeber heißt, dessen Adresse, Telefonnummer, Name und Anschrift von Familienangehörigen in Deutschland (mitsamt E-Mail-Adresse und Telefon), weshalb wir länger in Indonesien bleiben wollen etc. pp.

Dann heißt es Warten, und wir beobachten die ersten kleineren Dramen: Zwei Schweizer, die bereits vor einer Woche da waren und vor verschlossenen Behördentüren standen, weil gerade Idul Fitri, das Ende von Ramadan gefeiert wurde, werden nun nach ewig langer Diskussion wieder weggeschickt, weil sie zu früh dran seien. Man müsse schon drei Wochen im Land sein, um die Verlängerung beantragen zu können. Ein Amerikaner will es nicht einsehen, dass er nochmal kommen muss, um fotografiert zu werden („Hier bin ich. Ihr könnt mich jetzt fotografieren“). Plötzlich werden wir von einem anderen Beamten gerufen. Und dann gleich zurecht gewiesen: Der Antrag darf nur mit schwarzer Tinte ausgefüllt werden, nicht mit blauer. Alles wieder von vorne. Wir entschuldigen uns demütig, lächeln freundlich und füllen wieder den Fragebogen aus. Und warten erneut. Diesmal reihen wir uns in die Schlange des so freundlich wirkenden Beamten ein, der uns anfangs alles so nett erklärt hat.

Doch auch er hat was zu bemängeln: Unsere Begründung für die Visumsverlängerung. Wir haben geschrieben: Wollen längeren Urlaub machen und Flores, Komodo Island und Bali besuchen. Da müssten wir unbedingt auch Bunaken auflisten, wo wir ja derzeit in einem Tauchresort untergekommen sind (was wir ja ohnehin schon als derzeitigen Aufenthaltsort angegeben haben) und auch Manado dürfe nicht fehlen, schließlich seien wir ja in dieser Minute hier und würden auch zurückkommen müssen, um das verlängerte Visum entgegen zu nehmen.

Kein Problem, wir ergänzen die Angaben. Der Beamte zückt eine niegelnagelneue rote Mappe, in die er unsere Papiere und Pässe legt. Im Internet hatten wir bereits von dieser Mappe gelesen. Wir scheinen es geschafft zu haben. Doch dann sagt er: „Kommt morgen wieder, damit wir ein Passfoto von Euch machen können.“ Wir entgegnen freundlich, wir hätten die Fotos schon dabei. Nein, das ginge heute nicht, der Antrag müsse ja erst vom Chef geprüft werden. Wir schlagen vor, die Fotos zu den Unterlagen zu legen. Falls der Antrag genehmigt wird, liegen die Fotos gleich schon vor. Ist doch prima. „Nein, nein, geht nicht. Wir müssen die Fotos selber machen.“ Und der Antrag müsse bezahlt werden. Auch erst morgen. Wir schlagen vor, jetzt direkt zu zahlen. Nein, geht erst morgen. Können wir dann auch morgen schon das verlängerte Visum mitnehmen? Nein, dafür müsst ihr nochmal kommen. In drei Tagen. Und jetzt, bitteschön, erst Mal hinsetzen und warten. Er müsse uns noch eine Quittung ausstellen, dass wir ihm die Reisepässe ausgehändigt haben.

Okay, bloß keinen Streit anfangen. Wir warten. Eine halbe Stunde. Nichts tut sich. Der gute Mann verschanzt sich hinter seinem Schreibtisch und blickt ab und zu mal gelangweilt, mal belustigt in den Wartesaal. Haben wir das falsch verstanden mit der Quittung? Hat er uns vergessen?  Wir wollen nicht nerven, aber die Mittagspause der Beamten rückt näher. Ich unternehme einen neuen Anlauf, gehe mit den Passfotos in der Hand zu ihm, in der Hoffnung, dass er sie an sich nimmt und sagt, wir sollen in 3 Tagen wieder kommen. Aber nichts da. Hinsetzen und warten! Und dann morgen wiederkommen und am Freitag auch nochmal. Aber erst mal warten. Auf die Quittung. Wir warten weitere 20 Minuten, dann gibt’s die Quittung und die Ansage: Morgen gleiche Stelle und – wenn alles gut läuft – am Freitag gleich noch mal.

Niedergeschlagen nehmen wir das erstmal so hin, gehen raus und rufen Ester von unserem Tauchresort an, die als Einheimische vielleicht irgendwas für uns erreichen kann. Sie staunt: Dass man nur zum Fotografieren noch mal kommen soll? Nein, das hat sie noch nie gehört. „Warte, ich habe Kontakte. Ich rufe bei der Leitung der Immigration an.“

Wir sind zuversichtlich. Ester hat schon vielen Touristen aus der Patsche geholfen, uns immer alles gut organisiert. Wird schon klappen. Kurz darauf ruft sie zurück: Nix zu machen, es gibt einen neuen Chef und neue Vorschriften. Der Behörden-Boss wolle jeden Antrag persönlich prüfen und unsere Passfotos würden nicht akzeptiert, die würden von der Behörde selbst gemacht. Wir fragen, ob der Chef nicht heute noch über den Antrag schauen und danach dann die Fotos gemachten werden können. „Legt Euch nicht mit der Immigration an“, raunt uns Ester zu. Und gibt uns den Rat: Macht besser das, was die wollen.

Zweimal also nochmal von Bunaken übers Meer nach Manado, durch die verstopfte Stadt, in langen Sonntagsklamotten, in denen man besonders toll schwitzt. Na prima!

Zu allem Überfluss hat sich unser Fahrer verdrückt. Ester ruft ihn an. Wieder 40 Minuten warten. Wir bitten ihn, uns zum einzigen Computerladen Manados zu fahren, der Apple-Produkte verkauft, in der Hoffnung das defekte MacBook zur Reparatur geben zu können. Mit den Worten „Traffic Jam“ lehnt er ab. Läuft heute gar nicht bei uns.

Dazu passt, dass später das Boot zurück nach Bunaken mit einer Stunde Verspätung erst um 16 Uhr ablegt. Zeit scheint keine Rolle zu spielen.

Es wird schon wieder dunkel, als wir zurück im Resort sind. Und nichts erreicht. Was für ein frustrierender Tag!

Wir erklären Sven, dem Besitzer des Tauchresorts, dass wir uns ein Hotel in Manado suchen würden, damit nicht für jeden Trip zur Immigration gleich ein ganzer Tag verloren geht. Er erzählt uns seine Leidensgeschichten mit Visumsverlängerungen. Hilft uns zwar nicht, aber schön zu erfahren, dass es nicht nur uns so geht.

Am späten Abend dann die Überraschung: Ester (Svens indonesische Ehefrau) erzählt uns, dass sie nochmal mit der Immigration telefoniert hätte. Folgendes Angebot: Sie würde uns in drei Tagen zur Behörde begleiten und dafür sorgen, dass Fotos und die weitere Bearbeitung des Visums am gleichen Tag erledigt würden. Deal!

Drei Tage später: Wieder Sonntagsklamotten, Boot, Fahrer, unser ganzes Gepäck dabei und in Begleitung von Ester, die uns erzählt, dass sie einen Freund bei der Immigration hat, den sie seit über 20 Jahren kennt. Den neuen Boss kenne sie noch nicht, der sei erst seit zwei Wochen im Amt. Vor Ort verschwindet sie erst mal mit ihrem Bekannten und wird beim Behördenchef vorstellig. Wir warten. Und warten. Irgendwann werden wir zum Chef persönlich gerufen. Nach ein wenig Smalltalk stellen wir die Frage, auf die alles hinausläuft: Was kostet die Verlängerung? Natürlich kennen wir den offiziellen Preis: 355.000 IDR pro Person. Er will 1.000.000 für unsere beiden Anträge. Knapp 300.000 extra. „Coffee money“, nennt er das. Und erklärt: Viele Kollegen in seiner Abteilung würden Kaffee trinken. Wir überschlagen kurz: Für das Geld könnten wir uns in Indonesien den Dienst eines lokalen Guides für zwei Tage sichern. Auf der anderen Seite: Die Aussicht, die Visumverlängerung heute schon zu bekommen ohne nochmal antanzen zu müssen…

Wir willigen zähneknirschend ein. Natürlich bekommen wir nur eine Quittung über 355.000 IDR. Trotz der Beschleunigungs-Variante lässt das neue 30-Tage-Visum weiter auf sich warten. Claudia wird gerufen, zum Fotos machen. Während sie in einem Nebenraum verschwindet, macht sich Ester aus dem Staub, ohne sich zu verabschieden. Unser Gepäck gibt sie bei einem benachbarten Kiosk ab. Seltsam, noch nicht mal „Tschüß“ zu sagen.

Dann bin auch ich an der Reihe. Im Hinterzimmer ist eine kleine Digitalkamera aufgebaut, davor ein zusammengeflicktes Gerät, das meine Fingerabdrücke scannt (ich muss nur die 5 Fingerkuppen der rechten Hand erfassen lassen, Claudia alle 10 Finger). Die Prozedur dauert fast 10 Minuten. Entweder der Beamte kann das Gerät nicht bedienen oder es spinnt wirklich rum. Er verabschiedet mich mit den Worten: „Express Visa. Very, very express. We try to make it ready this afternoon“. Was soll das heißen: „Wir VERSUCHEN, das heute noch fertig zu machen“? Wozu haben wir denn großzügig für die Kaffeekasse gespendet?

Wir warten wieder, diesmal 20 Minuten, dann bekommen wir eine Bescheinigung, dass unser Antrag in Bearbeitung ist und einen Termin: Kommt heute Nachmittag wieder, um 16 Uhr.

Um es kurz zu machen: Um 16 Uhr bekommen wir dann tatsächlich unsere Pässe wieder mit dem begehrten Stempel, der uns erlaubt, weitere 30 Tage in Indonesien bleiben zu dürfen. Ach ja: Eine Kaffeemaschine haben wir in der Behörde übrigens nicht entdeckt. 😉

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3 Kommentare zu “Visumsverlängerung in Indonesien oder: Wie schikaniere ich Touristen?

  1. Uschi

    Und da beschwere sich jemand über die deutschen Staatsdiener!
    Super Darstellung, sehr anschaulich…..Ich reise und leide mit euch!

  2. Alessa

    Helll ihr zwei!
    Das ist ja echt irre. Weiss nicht ob ich so ruhig geblieben wäre. Aber mit diesem Vorwissen würde ich freiwillig max. 30 Tage bleiben wollen. Vielleicht nutzen sie das als Regularium um ihre Insel vor Touristenmassen zu schützen. Würde Ländern wie Thailand wohl auch helfen, andererseits füllt es die „Kaffeekasse“. Was wohl ohne Ester passiert wäre…

    1. DominikDominik Autor des Beitrags

      Ruhig bleiben war in der Tat eine Herausforderung. Kurioserweise haben sie die Visa-Regelung geändert: Früher musste man für ein 30-Tages-Visum bezahlen, heute kostet das nix mehr. Nur wenn man länger bleiben möchte, zahlt man (und das gleich 2x: Für die ersten 30 Tage und die nächsten 30 Tage). Muss man nicht verstehen…

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