weltreize

Tauchen am Great Blue Hole: enttäuschend

Das Great Blue Hole in Belize kennen die meisten von Luftaufnahmen. Von oben sieht das Riff wirklich wunderschön und einzigartig aus. Es bildet einen großen Kreis mit einem Durchmesser von 300 Metern. Seit der Meeresforscher Jacques Cousteau das Great Blue Hole in den 1970er Jahren in seine Top 10 der besten Tauchplätzen der Welt aufnahm, ist es ein Wunschziel der meisten Taucher. Der TV-Sender Discovery Channel kürte das Great Blue Hole 2012 gar als Nummer 1 der unglaublichsten Plätze der Welt („The 10 Most Amazing Places on Earth“).

Um es vorweg zu nehmen: Der Tauchgang dort ist eine einzige Enttäuschung. Auf Caye Caulker habe ich vier Tauchbasen gefunden, die einen Trip zum Great Blue Hole anbieten. Für 240 bis 270 US-Dollar. Die meisten fahren nur mit einem kleinen Boot (ohne Toilette oder sonstigen Komfort an Bord) hinaus. Richtig sympathisch fand ich keinen Anbieter. Ich entschied mich für Black Durgon Dives, die den Trip allerdings nicht selbst durchführen, sondern nur vermitteln: An Aqua Scuba, die von San Pedro (auf der 40 Minuten entfernten Nachbarinsel Ambergris Caye) starten. Denn deren Boot ist das größte: mit Oberdeck und Toilette an Bord.

Drei Stunden entfernt

Zweimal war der Trip verschoben worden, weil sich nicht genügend Taucher angemeldet hatten. Wir verlängerten deshalb sogar unseren Aufenthalt auf Caye Caulker um einen Tag.

Das Boot startet üblicherweise um 6 Uhr morgens in San Pedro, sammelt dann auf Caye Caulker weitere Taucher und Schnorchler ein. Anschließend geht es knapp drei Stunden über das teilweise raue Meer (Reisetablette nicht vergessen!).

Bis zu 150.000 Jahre alt

Das Great Blue Hole liegt rund 70 Kilometer vor dem Festland und ist Teil des Belize Barrier Reef Reserve System, dem zweitgrößten Barriereriff der Welt (nach dem Great Barrier Reef in Australien), das von der UNESCO den Status Weltnaturerbe verliehen bekam. Es entstand vor zigtausenden Jahren, als Gletscherwasser durch die Kalkablagerungen des Lighthouse Reefs floss und so riesige unterirdische Kavernen bildete. Das Dach einer dieser Höhlen brach während einer Verschiebung der Erdkruste ein, und hinterließ das „Große Blaue Loch“.

Tauchen als Massenabfertigung

Unsere Gruppe besteht aus 15 Tauchern, plus den beiden Guides Manuel und Martin. Das Briefing ist wie das geliehene Equipment: bestenfalls basic. Wir bekommen kurz erklärt, dass wir rund 40 Meter tief tauchen werden, dass das gefährlich, der Tauchgang ansonsten aber recht einfach sei. Voraussichtliche Dauer: 25 Minuten. Um Abzutauchen werden jedem Taucher 90 Sekunden gewährt. Wer dabei Probleme hat, bekommt 30 zusätzliche Sekunden eingeräumt. Wenn er dann immer noch nicht unten ist, muss er den Tauchgang abbrechen. Damit ist klar: Tauchen hier ist Massenabfertigung.

Wir springen an der Nordseite des Great Blue Holes ins Wasser. Kurzer Check, ob jeder genug Gewichte dabei hat, dann geht’s runter. Zunächst auf 12 Meter Tiefe, wo wir uns bei einem sandigen Kalkstein-Vorsprung sammeln.

Kurzes Tauchvergnügen im Great Blue Hole

Dann das eigentliche Great-Blue-Hole-Erlebnis: Die Riff-Wand geht 124 Meter in die Tiefe. Wahrlich ein einziges dunkelblaues, fast schon schwarzes Loch. Ansonsten sind die bis zu 150.000 Jahre alten, meterhohen Kalkstein-Stalaktiten durchaus beeindruckend – sie gehören zu den größten der Welt. Wir tauchen kurz hinter ein paar Stalaktiten hindurch – schon gibt der Guide das Zeichen zum Auftauchen. Der Sicherheitsstopp dauert 5 Minuten (auf 5 Metern). Fische begegnen uns nicht, auch wenn immer noch mit Riff- und Bullenhaien geworben wird. Mir sagt später ein Tauchlehrer in Mexiko, dass es vor zehn Jahren am Great Blue Hole nur so gewimmelt habe vor Haien. Jedes Jahr seien es aber weniger geworden. Seit einem Jahr habe er keinen Taucher mehr getroffen, der einen Hai am Blue Hole gesehen habe.

Meine Flasche ist noch zu 2/3 voll, als wir die Wasseroberfläche erreichen. Doch bei solch einer großen Gruppe und zahlreichen unerfahrenen Tauchern wird wohl kein Risiko eingegangen und der Tauchgang bewusst kurz gehalten. Die meisten an Bord sind trotzdem begeistert, sie hatten noch nie eine so tiefe Wand gesehen. Nun denn.

Zweiter Tauchgang: Lighthouse Reef

Mit dem Boot steuern wir dann den nächsten Tauchplatz, das Lighthouse Reef, an. Der zweite Tauchgang des Tages, an der „Half Moon Caye Wall“, ist ganz nach meinem Geschmack: klare Sicht, kaum Strömung, viel zu sehen an einer riesigen Riffwand, die in 12 Metern Tiefe beginnt. Wir sehen unter anderem mehrere karibische Riffhaie, Nassau-Zackenbarsche und Adlerrochen. Dafür hat sich der Trip gelohnt.

Mittags auf Half Moon Caye

Geradezu idyllisch: Die Mittagspause auf der kleinen Insel Half Moon Caye. Weit und breit keine Menschenseele – stattdessen jede Menge weißer Sand, Palmen und eine Brutstätte von Rotfußtölpeln (im Englischen: Red Footed White Faced Boobies). Leider viel zu kurz. Der Landaufenthalt beträgt exakt eine Stunde. In der Zeit mache ich die Bekanntschaft mit einem Amerikaner, der mir unter Wasser aufgefallen war, weil er alles anfasste, was nicht schnell genug wegschwimmen konnte. Ich sage ihm, dass ich das nicht gut fände. Seine Antwort: „Du kommst doch aus Deutschland. Euer Volkswagen zerstört mit seinen Dieselmanipulationen unsere Luft. Und da willst Du mich kritisieren, weil ich unter Wasser Korallen berühre?“ Ich lasse mich auf die Diskussion nicht ein und denke mir meinen Teil.

Dritter Tauchgang: Long Caye

Den dritten Tauchgang, an der Elk Horn Coral Wall von Long Caye, nennen sie „Aquarium“. Nun ja, ganz so kristallklar wie versprochen ist das Wasser nicht. Auch Delfine lassen sich nicht blicken. 

Der Amerikaner ist diesmal noch schlimmer, reisst einmal sogar mit seiner Flosse einen Teil einer Koralle ab. Diesmal ermahnen ihn sowohl Guide als auch andere Taucher – ihn scheint es nicht weiter zu stören.

Unser Tauchguide macht Jagd auf den giftigen Rotfeuerfisch (im englischen Lion fish). In anderen Regionen ist er eine Attraktion, doch im karibischen Meer bedroht er das Ökosystem. Denn er hat dort kaum natürliche Feinde und frisst das Riff leer. Deswegen werden auch regelmäßig „Lion fish killing“-Tauchgänge angeboten. Ist übrigens gar nicht so einfach, einen Feuerfisch aufzuspießen. Denn im allerletzten Augenblick kann der Fisch so schnell weghuschen, wie ich es ihm niemals zugetraut hätte.

Nach diesem Tauchgang machen wir uns wieder auf den Heimweg. Zweieinhalbstunden dauert die Fahrt, und es ist bereits dunkel, als wir um 19 Uhr Caye Caulker erreichen. Mir geht es genau wie Cindy ein paar Wochen zuvor auf den Galapagosinseln ihr Taucherlebnis vom Great Blue Hole zusammengefasst hatte: „Enttäuschend. Aber ich bin froh, dass ich es gemacht habe. Ich hätte mich sonst womöglich mein Leben lang geärgert.“

Übrigens: Weitere Tauchberichte von uns findet ihr hier.

Artikel teilen:
Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+Pin on PinterestEmail this to someone

3 Kommentare zu “Tauchen am Great Blue Hole: enttäuschend

  1. Miriam

    Interessanter Bericht!
    Man hört wirklich immer so viel tolles von dem Blue Hole. Aber super, dass Du mal drüber geschrieben hast, wie es wirklich ist. Das heisst im Klartext, der eine Tauchgang hat jetzt ca. 240 US$ gekostet? Für ein bißchen mehr, mach ich in Ägypten gleich ein paar Kurse 😉
    Ach, wenn ich das alles so lese, bekomm ich auch wieder Lust zu tauchen. (Ist in den letzten 2 Jahren sträflich vernachlässigt worden).
    Allerdings müsste ich erst einmal meinen AOWD machen, um am Blue Hole tauchen zu können. Aber Ziele zu haben, ist immer gut.
    Werd mich jetzt mal durch eure Sulawesi und Galapagos Tauchartikel lesen.
    lg Miriam

  2. Nicola

    Ich bin 2007 am Blue Hole getaucht und danals gab es sehr viele Haie dort. Besonders beeindruckend war es, als wir ganz unten waren und die Haie beim Blick nach oben nur schwarze Silhouetten waren. Wirklich umwerfend und ein bisschen unheimlich. Ich muss wohl nicht sagen, welchen Ohrwurm ich während dieses Tauchganges im Ohr hatte ;-). Dann weiß ich jetzt aber, dass ich das nicht wiederholen, sondern von der Erinnerung zehren werde.

    Vor zwei Jahren wollte ich in Südafrika an der Grenze zu Mosambik tauchen um Walhaie zu sehen. Seit jedoch die Chinesen die Einheimischen bestechen illegal Haie zu fischen, geht das leider nicht mehr. :-(.

    1. DominikDominik Autor des Beitrags

      Hallo Nicola, da hattest Du Glück, dass Du vor Jahren schon dort warst. Leider wird es so viele Haie dort wohl jetzt nie wieder geben, nach allem was die Tauch-Guides sagen. Schade. Aber wir haben auf Galapagos auch Hai-Schulen gesehen. Das war sehr beeindruckend.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.